Richtig Ernten – aber Wie?

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Der optimale Erntezeitpunkt ist dann gekom­men, wenn die Voll-Blüte beendet ist. Bleiben die Blüten darüber hinaus an den Pflanzen, kommt es zu einer Überreifung und einem Qualitätsrückgang. Dieser Vorgang wird als Seneszenz bezeichnet und bedeutet nichts anderes, als dass die Pflanze ihr Leben been­det hat und stirbt. Ab diesen Moment werden die Blüten nicht mehr größer und die Wirk­stoffe oxidieren. Das ist nicht anders als bei Äpfeln oder Tomaten, es hat einen großen Einfluss auf die Qualität, das Aroma, das Aus­sehen und die Menge, wie lange die Blüten auf den Pflanzen bleiben.

Einige Grower haben dazu eine ziemlich »sim­ple« Methode entwickelt, den Erntezeitpunkt zu bestimmen. Sie warten, bis die Pflanzen of­fensichtlich an Qualität verlieren, dann ernten sie alle auf einmal.

Das mag bei einigen Hobbygrowern schon zu einer gängigen Praxis geworden zu sein, wer jedoch mehr als nur ein durchschnittliches Er­gebnis haben möchte, sollte sich genauer mit diesem Thema beschäftigen.

Richtig Ernten03Dazu kann ein Blick auf die Ernte von Weintrau­ben helfen, denn hier ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei Cannabis. Viele Weintrauben werden ein bis zwei Wochen, nachdem sie sich verfärbt haben, geerntet. Doch diese Me­thode funktioniert nicht bei allen Sorten und ist eher ungenau.

Es gibt weder beim Wein noch beim Cannabis Sorten, die sich nach einem Kalender richten würden.

Natürlich ist klar, dass man beim Cannabis schon sagen kann, wie lange eine Sorte bis zur Vollendung der Voll-Blüte braucht. So sind Indica Sorten wie Afghani dafür bekannt, in etwa 45 Tagen zur Reife zu gelangen. Bei den sativa-dominierten Sorten lässt sich die­ser Zeitpunkt nur ungefähr nennen, so wird die Blütedauer einer Silver Haze mit 65 bis 75 Tagen angegeben — immerhin ein Zeitraum von zehn Tagen.

Wie beim Wein spielt es auch beim Cannabis eine Rolle, welche Sorte angebaut wird, wel­che Umweltbedingungen herrschen und wo­für sie verwendet werden soll.

Will man zum Beispiel aus den Trauben Wein herstellen, wird man ganz genau den Zucker-und Säuregehalt der Trauben messen wol­len. Dazu werden spezielle Messinstrumente verwendet, mit Probieren ist es hier nicht ge­tan. Sind die Trauben aber für den Verzehr be­stimmt, reicht das Probieren völlig aus, und in diesem Fall kann gut der eigene Geschmack über den geeigneten Erntezeitpunkt entschei­den. Doch auch dann wird man nicht nur ein paar Trauben pflücken und testen, der erfah­rene Winzer weiß, dass es eine Rolle spielt, wo auf der Pflanze die Traube gewachsen ist, wie viel Licht sie erhalten hat, wie die Klim­abedingungen waren, welche Nährstoffe sie bekommen hat und was sonst noch auf ihre Reife Einfluss nehmen könnte.

Viele dieser Faktoren lassen sich auch auf den Anbau von Cannabis übertragen. So ver­ändert sich das Aroma, der Geschmack und das Wirkstoffspektrum der Blüten während ihrer Reifezeit ständig. Das bedeutet, dass je nach Erntezeitpunkt eine Pflanze einen un­terschiedlichen Geschmack und eine andere Wirkung aufweisen kann. Das hat mich auf ein interessantes Konzept gebracht, wo ich mei-

nen »Forscher-Trieb« voll ausleben kann: Das »variable Ernten«. Das funktioniert mit eini­gen Sorten besser als mit anderen. Gut ge­eignet ist die wunderbare Sorte »Jack Herer«. Sie vereint die genetischen Einflüsse von drei Sativa- und einer Indicasorte. Das führt dazu, das bei aus Samen gezogenen Pflanzen diese unterschiedliche Nuancen in Geschmack, Aro­ma, Wirkstoffspektrum, Blütedauer und grö­ße aufweisen können. Das bringt einen inte­ressanten Aspekt in unsere Diskussion über den optimalen Erntezeitpunkt.

So gibt die Hanfsamenbank Sensi Seeds als Blütedauer für ihre Sorte Jack Herer einen Zeitraum von 5o bis 7o Tagen an. Das bedeu­tet, dass es Pflanzen geben kann, die schon nach 5o Tagen, andere jedoch erst nach 7o Tagen geerntet werden sollten. Um diesen langen Zeitraum besser überwachen zu kön­nen, bin ich dazu übergegangen, gerade bei neu angesetzten Sorten aus Samen, Blüten zu verschiedenen Zeitpunkten zu ernten. Das er­möglicht mir, die Veränderungen im Wirkstoff­spektrum und Geschmack besser verfolgen zu können. Dazu beobachte ich die Pflanzen ge­nau, und wenn sich Blüten zeigen, die übersät sind mit Harzkristallen, schneide ich sie ab und lege sie zum Trocknen weg. Nach ein bis zwei Wochen wiederhole ich den Vorgang, so dass ich am Ende Blüten aus alten wichtigen Phasen habe. Dazu dokumentiere ich genau, wann ich welche Blüte von welcher Pflanze geerntet habe, denn nur so kann ich am Ende

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