Der Haschschmuggler - Teil 2 | Hanfclub

Der Haschschmuggler - Teil 2

Jul 17

Johan (44), ein ehemaliger Hasch schmugg­ler, kommt aus Südholland. Über viele Jahre lang beförderte er Haschlieferungen von Marokko nach Holland, Deutschland und Skandinavien. Interessanterweise lebte er diese ganze Zeit in Marokko und war nicht nur verantwortlich für den Transport, son­dern auch für den Anbau von Marihuana und die Herstellung von Hasch. Alles befand sich in Johans Händen, vom Anbau auf den Feldern bis zur Belieferung der Kunden. Als er jedoch das erste Mal nach Holland zurückkehrte, wurde er sofort ver­haftet. Seine Ex-Frau hatte ihn verraten und mit der Polizei zusammengearbeitet, um für sich eine Aufenthaltsbewilligung zu bekommen. Johan landete im Gefängnis und sein Eigentum wurde vom Justizministerium beschlagnahmt. Heute führt er ein ruhiges Leben und kann sei­nem liebsten Zeitvertreib nachgehen: die Hanfpflanze zu kultivieren. Alles über Johans absonderliche Art und Weise, das Schmuggelgeschäft von Marokko aus zu betreiben, wird in dieser Ausgabe von Soft Secrets zu Tage gebracht.

SSDE: Möchtest du uns etwas über deine Anbauaktivitäten in Marokko Der Haschschmuggler erzählen?

Ja, im Februar fängt es an mit der Aussaat, genau wenn die regnerische Jahreszeit beginnt, und im Juni/Juli wird geerntet. Die männlichen Pflanzen werden abge­trennt, einige wenige ausgenommen, die für die Samenproduktion behalten werden. Aber es sind so viele Pflanzen gesät, dass sie auf der verfügbaren Flächekaum überleben. Es regnet nicht bestän­dig genug, um die Pflanzen einfach nur wachsen zu lassen. Die Marokkaner wer­fen die Samen auf die Erde und sehen, was dann passiert. Sie sind sehr faul. Extrem faul! Das einzige, was sie taten, war, mit Unmengen von Kunstdünger um sich zu schmeißen. Das muss natürlich Auswirkungen auf den Boden haben und die Qualität der Pflanzen nahm ab. Und du brauchst mindestens 100 Kilo getrock­neter Pflanzen, um 300-800 Gramm Hasch unterschiedlicher Qualität zu gewinnen. Wenn du eine Top-Qualität produzierst, sind die Reste schlechter. Du brauchst bei­spielsweise 100 Kilo getrocknete Pflanzen, um 300 bis 400 Gramm Sputnik zu erzeu­gen. Oder etwa 800 Gramm Zero Zero. Wenn du zuerst Sputnik produzierst, dann bleibt nichts übrig, um damit Zero Zero zu machen. Und wenn du zuerst Zero Zero produzierst, dann ist die Qualität von dem, was übrig bleibt, in der Tat sehr durchschnittlich. Das kann die Dinge für den Anbauer erschweren.

Strebtest du nach Quantität oder Qualität?

Das hängt von vielen Faktoren ab und damals war ich nicht so sehr damit beschäftigt, Verbesserungen durchzufüh­ren. Was ich tat, war, den Pflanzen mehr Raum zu geben, damit sie sich besser entwickeln können. Aber in Wirklichkeit machte es keinen großen Unterschied. Die Bauern hatten in diesem Punkt recht. Ein System, das die Pflanzen mit ausrei­chend Wasser versorgt, wäre eine bessere Lösung. Aber das war in den Bergen nicht möglich. Es hätte bedeutet, in ein System zu investieren, eigentlich nicht in viel mehr als in eine Pumpe und eine Rohrleitung, und jemanden finden, der kleine Kanäle aushebt, es würde fast nichts kosten. Dann hätte man ausgesorgt für den Rest des Lebens! Aber es kostet etwas, deshalb wollen sie es nicht tun. Du kannst sie nicht dazu bringen, Geld zu investieren, vergiss es!

Hattest du jemals Ärger mit den Behörden?

Nein, nie, wir waren vollständig abge­schirmt. Nach diesem ersten Jahr wurde ich ein enger Freund des Gouverneurs, auch des örtlichen Polizeioffiziers. Ich gab in jenen Tagen für Bestechungsgelder ein Vermögen aus, wenn du wüsstest! Manchmal fuhren wir im Mercedes des Gouverneurs - mit Polizeieskorte vorne und hinten und 800 Kilo im Kofferraum - und transportierten auf diese Weise den Stoff die 800 Kilometer zu unserem Boot. Und wir konnten direkt zum Boot hin­fahren. Der Gouverneur bekam immer seinen Willen.

Warum bist du nach Holland zurück­gekehrt?

Ich habe es bereits gesagt, ich konnte es einfach nicht mehr länger aushalten. Solche Bedingungen kannst du nicht durchstehen. Völlig ausgeschlossen. Die meiste Zeit des Jahres kannst du nicht ‚mal dein Wohnhaus mit dem Auto errei­chen. Man muss mit dem Pferd oder Esel dahin gelangen. Nach einer Weile hast du genug davon. Es gab auch keinerlei Kommunikation mit den Einheimischen. Ich spreche ein wenig Arabisch, aber nicht ausreichend. Es kam mir manchmal vor, als kämen die Leute von einem ande­ren Planeten. Wie auch immer, nach fünf Jahren beginnst du dich in dich selbst zu verkriechen, und das ist nicht gut. Bis dahin wusste ich auch alles, was ich wissen wollte. Und wegen des Geldes musste ich auch nicht bleiben. Ich hatte ‚ne Menge davon! Nun, deshalb bin ich zurückgekehrt. Mehr und mehr Leute aus Holland kamen, um mit mir zu sprechen. Sie wussten, dass ich die Leute dort unten kannte und wusste, wem man vertrauen konnte und wem nicht. Man wandte sich häufig an mich, um für gewisse Leute Dinge zu erledigen. Am Anfang war mir nicht klar, wohin das alles führen könn­te. Weil diese Leute in der Regel immer mehr von dir wollen. Und am Ende ist man Verpflichtungen eingegangen und muss sich in bestimmten Situationen mit Angelegenheiten befassen, für die du persönlich verantwortlich gemacht wirst. Ich bepackte ganze Container für andere Typen und kümmerte mich zusätzlich um den Preis und die Qualitätskontrolle. Das wollte ich alles nicht mehr machen.

Du hattest also massenhaft Geld in der Zeit? Ich hatte mehr Geld als ich zählen konnte, wie ich es in der Schule gelernt hatte, ich schwör‘s. Frag‘ mich nicht, wo alles geblie­ben ist. Die Steuerbehörden nahmen viel weg, nachdem sie mich gefasst hatten. Sie fanden überall Geld, von Marokko bis Stockholm. 37 Leute wurden in einen Käfig gesperrt (im Gefängnis), ich auch. Was passierte während du in Holland im Gefängnis warst? Ich übertrug zwei Brüdern meiner Ex die Verantwortung über die Farm in Marokko. Und es lief weiter wie bisher, nur dass ich nicht mehr in Marokko war. Sie nutzen einfach die Farm für einen prozentualen Anteil. Wie oft ging die Sache schief, als ihr mit dem Auto oder Boot schmuggeltet? Mit Autos nur einmal, mit Booten nie. Aber einmal ist natürlich einmal zu viel. Und obwohl ich nicht selber dabei war, geschnappt ist geschnappt, egal, wer im Wagen sitzt. Mir sind solche Zeitgenossen bekannt, die denken: Solange es nicht mein Geld ist, ist alles in Ordnung. Aber das ist totaler Schwachsinn. Wenn du geschnappt wirst, ist das sehr übel. Und in einigen Ländern ganz besonders! In Holland fängst du in deiner Zelle an, in aller Ruhe darüber nachzudenken, ob es dies alles wert gewesen ist. Aber in jenen anderen Ländern findest du dich in der Hölle wieder. Umso mehr, wenn du ganz allein auf dich gestellt bist. Das geschieht häufiger, als du denkst. Die Jungs, die dort gefasst werden, verbittern gewöhn­lich sehr schnell. Die meiste Zeit bist du deinem Schicksal überlassen. Es gibt sehr wenige Leute, die an dich denken, wenn du ‚mal wirklich im Gefängnis sitzt. Wurden eure Container jemals abge­fangen? Die Polizei ließ sie ordnungsgemäß durch den Zoll. Ich arbeitete für holländische Leute, die ebenfalls anonym blieben und wusste nicht einmal, an wen diese Container geliefert wurden. Aber ich weiß, wie viele von ihnen gestoppt wurden oder durchkamen. Wie lässt sich das erklären? Ich meine, unsere eigenen Linien wurden nie aufgedeckt. Es fing an schiefzugehen, als jemand von der holländischen Polizei in meine Organisation in Holland einge­schleust wurde, um mich zu ergreifen. In den frühen neunziger Jahren zog sich das Netz zu. Was ist passiert? Damals besaß ich ein Casino in Holland. - Ich hatte so ein Schweinegeld, dass ich wirklich nicht wusste, was damit anzu­fangen. So begann ich zu spielen und gab in einem Jahr zwei Millionen aus. An einem bestimmten Zeitpunkt hatte ich dermaßen genug davon, zu verlieren - und sah endlich ein, dass ich an der fal­schen Seite des Tisches saß. Daher kaufte ich selbst ein Casino, einen sehr gut lau­fenden Betrieb. Ich war der Manager, aber nur auf dem Papier, und verdiente 600 Euro in der Woche. Zum Direktor hatte ich jemand anderen gemacht, behielt aber alle Anteile selbst. In dieser Phase zog ich alle Verbindungen in Stockholm an mich und arbeitete sehr hart. Um eine lange Geschichte abzukürzen, einer der Leute, mit denen ich zusammenarbeitete, war von der Polizei eingeschleust worden. Er bot mir Hasch aus der polizeilichen Asservatenkammer an, beschlagnahm­tes Hasch, das aus anderen Operationen stammte. Sie suchten nach einem guten Weg, Hasch in Länder zu exportieren, den die Polizei noch nicht beobachtete. Das stand hinter dem Angebot an mich von diesem Burschen, den sie gezwungen hatten, mit ihnen zu kooperieren. Du solltest eigentlich nicht geschnappt werden! Es ging erst einmal um die Geschäftsverbindungen? Ja, so fing alles langsam an fehlzuschla­gen. Ihr Preis lag 100 Euro unter dem üblichen Preis. Ich hatte viel Platz und viele Käufer. So schafften wir drei Mal 500 Kilo. Beim dritten Mal hatte ich einen Anruf von jemandem erhalten, der später erschossen wurde, und der mich gewarnt hatte, mich vorzusehen, weil ich Hasch von dem Polizeispitzel kaufte. Aber ich machte mein Ding einfach weiter. Auf mich wurde in dieser Zeit einmal geschos­sen, auf der Autobahn, und ich bin mir sicher, es war die Polizei. Nun, wie haben sie dich schließlich gekriegt? Sie wussten bereits so viel über mich! Sie benutzten das Mädchen, das ich geheiratet hatte, ein algerisches
Mädchen. Unsere Beziehung war schlecht und sie besaß keine dauerhaf­te Aufenthaltsgenehmigung nach der Scheidung. Daher sprach sie mit den Bullen, um diese Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Sie redete sehr viel. Und sie ist immer noch in Holland, obwohl wir geschieden wurden. Sie erhielt als Gegenleistung für Informationen eine Aufenthaltsgenehmigung.

Wusste sie über alles Bescheid, was du tatest?

Über ziemlich vieles. Ich lebte mit ihr zusammen. Zurückschauend kann man sagen, dass ich sehr dumm gehandelt habe, doch in meinem ganzen Leben bin ich keiner besseren Schauspielerin als die­ser Kleinen begegnet.

Was hat sie ausposaunt?

Sie ließen meine Marokko-Holland­Linie und die Holland-Schweden­Connection hochgehen. Ich kam für 37 Monate in den Knast, davon neun Monate Isolationshaft, sogar isoliert von den anderen Gefangenen, kein TV, kein Radio. Außerdem beschlagnahmten sie alles, was ich besaß. Nach diesen 37 Monaten mussten sie mich freilassen, nach einem Urteil, das zum Himmel stank. Das Urteil stimmte mit der Länge der Untersuchungshaft überein. Sie hatten den Prozess fünf Mal mit idi­otischen Ausflüchten verzögert, woge­gen ich erst vor einem höheren Gericht in Berufung gehen konnte, nachdem ich wieder auf freiem Fuß war. Bei der Berufungsverhandlung zeigte sich, dass sie nicht viel gegen mich in der Hand hat­ten, aber bis dahin hatte ich bereits alles verloren. Und mit dem Thema Steuern haben wir uns noch gar nicht beschäf­tigt! Das Ganze war ein einziger großer Schlamassel, das kann ich dir sagen.

Wie lautete die Anklage?

Import und Export von Hasch, Geldwäsche und Drogenmissbrauch. In jenen Tagen machte ich Geschäfte mit einer Wechselstube, die in einem großen Polizeieinsatz hochgenommen wurde. Ich stand genau im Zentrum aller Aktivitäten. Weil sie so viel über mich wussten, war es praktisch unmöglich, sie mir vom Leibe zu halten. Es lag alles an meiner Ex-Frau. Sie fingen nicht nur mich, sondern auch alle Leute in meinem Umfeld. Das gesamte Netzwerk war zerschlagen.

Hast du die Scherben eingesammelt, nachdem du aus dem Gefängnis frei­kamst?

Nein, ich hatte genug, wirklich. Etwa zehn Minuten lang dachte ich, mein Leben sei vorbei. Es gibt Momente im Leben, in denen du es nicht mehr aushalten kannst. Ich trank auch viel zu viel, hatte Dinge gesehen und Entscheidungen getroffen, die wirklich nicht gut waren. Ich wollte da rauskommen. Dein Leben ist permanent einem unbeschreiblichen Druck ausgesetzt, du musst fortwäh­rend alles im Blick behalten. Du lebst mit Piepern, Faxen, Telefonen, musst dich ständig bewegen und immer die Leute unter die Lupe nehmen, mit denen du verkehrst und Geschäfte machst. Dann musst du auch noch deine eigenen Leute überwachen, selbst wenn du mit ihnen schon seit Jahren arbeitest. Du musst sie kleinen Tests unterziehen, nur um sie ständig unter Kontrolle zu halten. Um zu überleben, muss man paranoid sein. Niemand kann das unendlich lange durchhalten, denn es gibt immer Leute, die dir deine Moneten abknöpfen wol­len, und manchmal können sie nur auf eine Art gestoppt werden: Ihnen klar machen, dass du stärker und cleverer bist. Immer einen Schritt voraus sein, ihnen einen Schlag versetzen bevor sie es tun. Und selbst wenn sie dir keinen verpassen wollen, musst du ihnen einen reindonnern, auch wenn du nicht im Recht bist. Denn in dieser Welt kann man nicht so denken. Mir war das alles so zuwider geworden.

Du hast wegen Paranoia aufgehört? Nein, viel eher aus Gewissensgründen als wegen Paranoia.

Hast du jemals mit härteren Drogen als Hasch gedealt?

Niemals. Lass mich in Ruhe mit diesem Dreck! Das war für mich nie ein Thema. Ich habe solche Dealer gesehen, wie sie Geschäfte machten, und zwar in großem Umfang. Aber ich habe auch gesehen, wie sie rasch auftauchten und ebenso schnell wieder verschwanden. Für mich ist Hasch die Grenze. Es war ein großes Glück, dass ich frühzeitig diese harte Droge Heroin kennengelernt hatte und ihre verheerenden Wirkungen kannte. Ich hörte frühzeitig damit auf, im jun­gen Alter hatte ich bereits beobachten können, wie schnell sie das Leben von Menschen zerstört. Mit Leuten, die mit harten Drogen dealen, möchte ich über­haupt nichts zu tun haben.

Wurdest du im Verlauf deiner Karriere öfters bestohlen?

Einige Male. Einmal wurde ich angeschos­sen, als ich beraubt wurde. Sie entkamen mit einigen kleinen Stückchen Hasch und meinem Geldbeutel mit vielleicht eini­gen Hundert Gulden. Es war eigentlich eine Schießerei um nichts. Ich wurde nie schlimmer bedrängt als in diesem Fall, daher denke ich, alles nur halb so schlimm. Wenn du meinst, ob ich betrogen wurde, das ist eine andere Geschichte. Für einen von zehn Deals trifft das zu. Denn in dieser Welt gibt es immer jemanden, der ver­sucht, dich zu betrügen. Aber man lernt Leute genau zu beurteilen, wenn man im

Geschäft ist.

Hattest du, ähm, Schutz?

Natürlich, man muss Leute für seinen Schutz bezahlen. Es kommt ein Moment, in dem es sich als Torheit herausstellt, keinen Schutz zu haben.

Hattest du festgestellt, dass es auf dem Haschmarkt zunehmend brutaler zuging?

Ja, und ich war dumm genug, dabei mitzumischen. Ich hätte dieses Milieu früher verlassen und mich nur auf die Verbesserung der Qualität konzentrieren sollen. Ich kaufte mir eine Schusswaffe und trug Handgranaten bei mir, um mich zu schützen. In den alten Zeiten (frühe 70er Jahre) wäre so was undenkbar gewe­sen. Damals hatte ich nie Gewalt erlebt, nicht in der Flower-Power-Zeit. Aber die Hinwendung zu härteren Gangarten ging wirklich schnell vonstatten. Alles wurde profitorientierter und gewalttätiger.

Siehst du noch Leute aus deiner Schmuggler-Vergangenheit?

Nein, ich spreche mit keinem mehr. Ich lasse die Vergangenheit ruhen und arbeite heute in einem Büro von 9 bis 17 Uhr. Mein Leben ist ganz meiner kleinen Lieblingspflanze gewidmet; in meiner Freizeit züchte ich, arbeite an Verbesserungen - mehr als jemals zuvor. Es ist immer noch meine große Leidenschaft, sie wird nie abklingen. Aber die Bullen wissen Bescheid, glau­be ich, und so beschäftige ich mich damit, insoweit die Bullen nichts dage­gen einzuwenden haben, das geht in Ordnung. Weil ich wirklich keinen Ärger haben will, ich könnte es wirklich nicht mehr aushalten.

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