Starker Tobak: Die Legalisierung von Cannabis | Hanfclub

Starker Tobak: Die Legalisierung von Cannabis

Jul 17

Drei Ereignisse der letzten Zeit haben die Cannabis-Diskussion in Deutschland neu angefacht: Das Bekenntnis der Linksfraktion zur Legalisierung, die absurde Antwort der Kanzlerin auf die Lega­lisierungsfrage im Rahmen des »digitalen Bürgerdialogs« und die aktuelle Anhörung zur Einfüh­rung von Cannabis-Clubs nach spanischem Vorbild. Bevor man sich mit dem Sinn einer Legalisierung von Cannabis auseinandersetzt, sollte man sich allerdings die Frage stellen, warum es eigentlich weltweit verboten ist. Die Antwort darauf lie­fert dieseCannabis-Serie. Kurze Geschichte des Hanfs Die Hanfpflanze (lat. Cannabis) ist eine der äl­testen Nutzpflanzen der Welt. Ihre Samen sind wohlschmeckend und nahrhaft, ihre Stängel liefern besonders lange und sehr robuste Fa­sern, die schon früh zur Herstellung von Klei­dung verwendet wurden. Die ältesten Funde, die den Anbau von Hanf belegen, sind rund 5.5o0 Jahre alt und stammen aus dem Raum Eisenberg in Deutschland. Berichte über die medizinische und rituelle Anwendung ihrer Inhaltsstoffe sind 2.40o Jahre alt. In Deutschland wurde Hanf früher als preis­werter Ersatz für Tabak verwendet. Begriffe wie »starker Tobak« oder »Knaster« verwei­sen noch heute auf diese Gewohnheit. Durch den robusten Wuchs, den problemlosen An­bau unter verschiedenen klimatischen Bedin­gungen, die positive Wirkung auf den Acker­boden und die vielfältigen Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten gehörten Hanffelder in früheren Zeiten auch hierzulande zum festen Bild der Landschaften. Wer heute eine Hanfpflanze im Garten oder auf dem Balkon hält, der muss damit rechnen, unangenehmen Besuch von einem Sonderein­satzkommando der Polizei zu bekommen und zu empfindlichen Strafen verdonnert zu wer­den. Die rechtliche Situation ist dabei fast auf der ganzen Welt einheitlich. Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass der Anbau von Hanf weltweit verboten ist und eine Pflanze, die einst zu den wichtigsten Kulturpflanzen gehörte, aus der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend verschwunden ist? Papier und Textilien Starker Tobak2 Neben seiner medizinischen, rituellen und berauschenden Wirkung lassen sich die Hanfpflanze und ihre verschiedenen Bestandteile sehr vielfältig verarbeiten und nutzen. Dabei stehen vor allem die Eigenschaften der Fasern in den Stängeln der Pflanze im Mittelpunkt. Diese sind nämlich besonders lang und widerstandfähig und eignen sich von daher hervorragend zur Herstellung von Papier und Tex­ilien. Ende der 2oer Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam in den USA eine neuartige landwirtschaftliche Maschine auf den Markt, mit Jer sich die wertvollen, innenliegenden Fasern des Hanfs automatisch gewinnen ließen. Zuvor erfolgte diese Arbeit mühsam mit der -land. Dazu mussten die abgemähten Pflanzen zunächst über einige Wochen auf dem Feld liegen bleiben, um dort allmählich zu verrotten. Erst dann konnten die aufgeweichten Stängel in Handarbeit geöffnet und die Fasern entnommen und weiterverarbeitet werden. Aus diesem Grund konnte sich die Hanfpflanze über lange Zeit nicht gegen die einfacher werdende Baumwolle durchsetzen. Mit der Erfindung dieser Maschine änderte sich dies plötzlich. Mit ihr konnten innerhalb von nur einer Stunde ein bis zwei Tonnen Hanf verarbeitet und die wertvollen Fasern gewonnen werden. Diese Entwicklung rief nun vor allem zwei Industriezweige auf den Plan. Zum einen die chemische Industrie, die zu dieser Zeit viele Patente für neuartige Kunstfasern angemeldet hatte und angesichts der neuen Verarbeitungsmöglichkeiten Konkurrenz befürchtete. Zum anderen die Papierindustrie, die zur Papierherstellung Holz einsetzte und ebenfalls von wirtschaftlichen Einschränkungen und Verlusten ausging. Es galt also, etwas gegen den drohenden Vor­marsch der modernen Hanfverarbeitung zu unternehmen. Und hierzu spielte sich in der Folge ein regelrechtes Lehrstück in Sachen Lobbyismus ab. Ein Lehrstück Lobbyismus Die Schlüsselfigur innerhalb dessen, was nun geschah, war der ehemalige Eisenbahndetek­tiv Harry Jacob Anslinger. Durch seine Heirat war der 1892 in Pennsylvania geborene Mann plötzlich der Schwieger-Neffe des Bankiers und Politikers Andrew William Mellon, der von 1921 bis 1932 als Finanzminister an der US-amerikanischen Regierung beteiligt war. Von da an kam die berufliche Karriere Anslin­gers in Fahrt. War er noch bis 1917 als Detek­tiv bei einer Eisenbahngesellschaft beschäf­tigt, so stieg er bis 1920 zum Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Den Haag auf, war bis 1923 Vizekonsul in Hamburg und von 1924 bis 1928 Vizekonsul auf den Bahamas. Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete Anslinger in leitender Funktion beim »Prohi­bition Bureau«, das für die Überwachung der Einhaltung des Alkoholverbots in den USA zu­ständig war. Als die Prohibition im Jahre 1932 abgeschafft wurde, musste Anslinger ein neues Betäti­gungsfeld für sich und seinen Stab suchen. Er entschied sich dafür, anstelle des Alko­hols dem Cannabis den Kampf anzusagen und leitete ab 1933 das »Federal Bureau of Nar­cotics«. Der Kampf gegen die beliebte und wirtschaft­lich interessanter werdende Kulturpflanze ge­staltete sich aufgrund ihrer starken Verbrei­tung schwierig. Anslinger suchte sich deshalb einflussreiche, mächtige und vor allem finanz­starke Verbündete und startete eine Kampa­gne, die fast beispiellos Andrew William Mellow ist. An seiner Seite kämpfte nicht nur sein On­kel, der Bankier und bisherige Finanzminister Andrew William Mellon, der Anslingers Kam­pagne mit 100.000 US-Dollar (heute rund 1,5 Millionen Euro) unterstützte. Zusätzlich wur­de er von dem Medienmogul, Waldbesitzer und Papierhersteller (Paper Manufacturing Company) William Randolph Hearst, Verleger zahlreicher Publikationen der Yellow Press und von dem Chemiekonzern DuPont unter­stützt, der sich unter anderem im Besitz des Patents von Nylon befand. Die Kampagne gegen Cannabis Um den Weg für ein Verbot des Hanfs zu ebnen, musste zunächst etwas gegen die große Beliebtheit und William Randolph Hearst positive Betrachtung der Pflanze unternommen werden. Hier kam An­slinger vor allem der Verleger Hearst zur Hil­fe, der über mehrere Jahre Artikel in seinen Zeitungen veröffentlichte, die vor den großen Gefahren von Cannabis für die amerikanische Gesellschaft warnten. Anslinger, Hearst, Mellon und DuPont be­dienten sich hierzu vor allem rassistischer Klischees. Im ersten Schritt wurde hierzu ein neuer Begriff für den positiven Hanf geprägt. Aus der Sprache mexikanischer Einwanderer entlehnte man die Bezeichnung »Marijuana« und veröffentlichte nun in schneller Folge im­mer neue Berichte über Menschen, die un­ter dem Einfluss der teuflischen Droge Mord, Totschlag und andere Gewalttaten begingen, ihre Familien ausrotteten oder Frauen verge­waltigten. Anslingers eigene Aussagen hierzu kenn­zeichnen die Art und Qualität der damaligen Publikationen am besten: „Most marijuana smokers are Negroes, Hispa­nics, jazz musicians, and entertainers. Their satanic music is driven by marijuana, and ma­rijuana smoking by white women makes them want to seek sexual relations with Negroes, entertainers, and others. It is a drug that causes insanity, criminality, and death — the most violence-causing drug in the history of mankind." (Die meisten Marihuana-Raucher sind »Ne­ger«, Latein-Amerikaner, Jazz-Musiker und Entertainer. Ihre satanische Musik ist von Ma­rihuana angetrieben und wenn weiße Frauen Marihuana rauchen, dann suchen sie sexuel­le Beziehungen mit Negern, Entertainern und anderen. Es handelt sich um eine Droge, die Wahnsinn, Kriminalität und Tod verursacht — die gewaltverursachendste Droge in der Ge­schichte der Menschheit.) Ihren Höhepunkt nahm die Kampagne mit der Veröffentlichung des Films »Reefer Madness« im Jahr Reefer Madness 1936. Einige Quellen besagen, dass der Film, der zunächst unter dem Titel »Tell your Children« herauskommen sollte, von An­slinger, DuPont oder Hearst finanziert wurde. Erzählt wird die Geschichte von ursprünglich braven High-School-Schülern, die durch den Genuss von Cannabis zu Vergewaltigern und Mördern werden und dem Wahnsinn verfallen. »Reefer Madness« ist ein bemerkenswertes Beispiel früher amerikanischer Propaganda. Da er historisch interessant, lizenzfrei und voll unfreiwilliger Komik ist, haben wir ihn auf unserer Homepage (www.grow.de) in voller Länge zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um die englische Originalfassung. Das Anschauen, zumindest in Auszügen, lohnt sich aber auch ohne ausgeprägte Englischkennt­nisse. Marijuana Tax Act von 1937 Die klug eingefädelte und konsequent umge­setzte Kampagne von Anslinger, Mellon, Hear­st und DuPont war erfolgreich. In der Folge wurde im Jahr 1937 der sogenannte »Marijua­na Tax Act« als US-Bundesgesetz verabschie­det. Hier wurden nun sämtliche Bestandteile der Hanfpflanze unter dem Begriff Marihuana zusammengefasst und einer hohen Sonder­steuer unterworfen. Pro Unze, dies entspricht ungefähr 28,35 Gramm, musste mit Inkrafttreten des Gesetzes eine Steuer in Höhe von Starker Tobak3 einem US-Dollar ent­richtet werden. Handelte es sich um einen nicht registrierten Erzeuger, dann erhöhte sich dieser Betrag auf wo Dollar. Ein Dollar in die­ser Zeit entspricht dabei heute rund 15,00 Euro. Durch dieses Steuergesetz war es nicht mehr möglich, Hanf wirtschaftlich zu erzeugen. Da nun viele Landwirte damit begannen, Hanf inoffiziell auf ihren Feldern anzubauen, gin­gen die amerikanischen Behörden mit zuneh­mender Härte hiergegen vor. Die betreffenden »Täter« wurden dabei wegen Steuerhinterzie­hung angeklagt und zu hohen Strafen verur­teilt. In der Folge wurde der Anbau von Hanf in immer mehr Staaten der USA vollständig verboten. Für den Chemie- und Kunstfaserhersteller DuPont, den Papierproduzenten Hearst und den ehemaligen US-Finanzminister und Ban­kier Mellon war die Kampagne damit außeror­dentlich erfolgreich. DuPont gehört noch heute zu den größten chemischen Konzernen der Welt, beschäftigt 58.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2009 einen Jahresumsatz in Höhe von 26,1 Milliar­den US-Dollar. William Randolph Hearst zählte im Jahr 1935 mit einem Vermögen in Höhe von 200 Milli­onen Dollar zu den reichsten Menschen der Welt, besaß 25 Tageszeitungen, 24 Wochen­zeitungen, zwölf Radiosender, zwei weltwei­te Nachrichtenunternehmen und das Cosmo­politan Filmstudio. Hearst verkaufte damals 13 Millionen Zeitungen pro Tag und erreichte damit rund 40 Millionen Leser. 1934 traf sich Hearst, der mit dem deutschen und dem itali­enischen Faschismus sympathisierte, mit Hit­ler. Anschließend veröffentlichte er in seinen Zeitungen Artikel gegen die Sowjetunion und eine Artikelserie aus der Feder von Herman Göring. Die private Bank von Andrew William Mellon und seine ebenfalls private »Union Trust Com­pany« verfügten 1946 über ein Vermögen von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Der Banki­er und Politiker gehörte zu den Financiers von DuPont und William Randolph Hearst. Seit 2006 bilden die Unternehmen von Mellon ge­meinsam mit der »Bank of New York« den Fi­nanzdienstleister »The Bank of New York Mel­lon Corporation«, der Vermögen von mehr als 1,14 Billionen US-Dollar verwaltet, und heute die größte Depotbank der Welt ist. Die Interessen der äußeren Rechten Harry Jacob Anslinger hatte mit der Durchsetzung des »Marijuana Tax Act« von 1937 die Grundlage für das amerikaweite Verbot von Cannabis gelegt und bemühte sich im wei­teren Verlauf darum, seine Überzeugung auf die ganze Welt auszudehnen. Im Jahr 1947 ließ er sich in die UN-Drogenkom­mission beordern und kämpfte seitdem für das internationale »Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel«. Dieses wurde schließlich 1961 erlassen und trat 1964 in Kraft. Es setzte Cannabis mit Opiaten gleich und verpflichte­te sämtliche Mitgliedsstaaten zum Verbot des Hanfanbaus und der strafrechtlichen Verfol­gung des Cannabis-Konsums. Im Jahr 1973 wurde das Abkommen auch durch die BRD ratifiziert. Bis heute ist der Umgang mit Cannabis weltweit maßgeblich von den Auffassungen des Eisenbahndetektivs und Rassisten Anslinger geprägt, der sich durch seinen vermögenden Onkel Andrew William Mellon, den Medienmogul, Waldbesitzer und Papierhersteller William Randolph Hearst und den Chemiekonzern DuPont eine Propagan­da-Kampagne finanzieren ließ, die den Hanf in der öffentlichen Wahrnehmung von einer wertvollen Kulturpflanze zur todbringenden und wahnsinnig machenden Droge machte. Anslinger zog sich 1970 aus dem Kampf ge­gen Cannabis zurück und starb 1975 in Penn­sylvania. In seinem Buch »Murderers« offen­barte er gegen Ende seines Lebens, dass ihm die Drogenpolitik immer nur als Machtinstru­ment zur Durchsetzung der Interessen der äu­ßeren Rechten diente. Seinen Aktennachlass vermachte Anslinger der Pattee Library an der Pennsylvania State University. Bei dessen Sichtung stellten die Wissenschaftler fest, dass es sich bei 95 Prozent der zusammenge­tragenen Quellen um Ausschnitte aus Boule­vardzeitungen handelte ...

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