Fallstudie Mediweed | Hanfclub

Fallstudie Mediweed

Jul 17

Stefan rief mich an. Er erzählte mir von seinem Vater, der an Lungenkrebs leidet, der starke Schmerzen ertragen muss und sich dabei gegen die starken Nebenwirkungen seiner Medikation, Morphium, mit allen Kräften zur Wehr setzt. Ich beschließe, ihn zu besuchen, denn für Jan ist das Reisen mühsam geworden. Jan wohnt auf einer schönen alten renovierten Farm in Wapserveen im Norden von Holland.
Nachtwanderungen Er sitzt wortkarg in seinem Sessel und starrt vor sich hin. Jan hat starke Schmerzen, be­kommt dagegen Morphium und daraus re­sultiert, dass man nur schwer mit ihm ein anregendes Gespräch führen kann. Seine Frau erzählt mir, dass er wegen der verschiedenen Medikamente, die Jan einnehmen muss, nur schwer durchschlafen kann. Sieselber leidet auch schon an Schlafstörungen da Jan oft in der Nacht im Haus umherwandert. Sie glaubt, dass sie in ständiger Alarm bereitschaft bleiben muss, denn seitdem ihr Mann die starken Opiate nimmt, hat er Wahn vorstellungen, sieht Dinge, die nicht existie ren und spricht mit Menschen, die gar nicht da sind. Sie schläft nicht mehr gut und ist am Ende ihrer Kräfte. Auch ihr Sohn, Stefan, der mich anrief, ist ebenfalls vom Zustand seines Vaters stark betroffen und innerlich immer stärker angespannt. Geschmack wie Pflanzen Ich gab Jan seine ersten Tropfen Marijuana-Öl. „Hmm, das schmeckt nicht schlecht, nur wie nach ... Pflanzen", sagt er. Auch seiner Frau und Stefan, dem Sohn, gab ich je zwei Trop­fen von dem Öl. „Wenn ihr jan ein klein we­nig von den Marijuana-Öl gebt, solltet ihr wis­sen, wie es bei ihm wirkt", sage ich zu ihnen. Gerade bei dem Sohn Stefan ist der Effekt des Öls bemerkenswert. Ste­fan entspannt sich augenblicklich und nach einer halb­en Stunde ist sein tiefes Stirnrunzeln, das beinahe eine Beule auf seiner Stirn formte, verschwunden. Ich erkläre ih­nen, dass sich unter dem „War on Cannabis" eine große Anti-Propaganda vollziehen konn­te. Nein, Cannabis ist nicht gesundheitsge­fährdend. Nein, es macht nicht süchtig. Nein, keiner wird davon plötzlich schizophren. Und nein, Cannabis hat keine negativen Nebenwir­kungen, wenn es mit anderen Medikamenten eingenommen wird. Bekannt ist, dass es den Effekt von synthetischen Medikamenten ver­stärkt. So braucht man zum Beispiel bei As­pirin nur die halbe Dosis einzunehmen. Ich mache oft die Erfahrung, dass ich einen groß­en Anteil meiner Gespräche darauf verwende, alle möglichen vorhandenen Vorurteile und Urängste meiner Gesprächspartner auszuräu­men. Husten von Blut Eine Woche später bekomme ich eine Nachricht, dass es Jan viel besser geht! Nach einem Monat fahre ich wieder zu ihm, um zu sehen, wie es nun um ihn steht. Er hat kein Mariju­ana-Öl mehr und bat mich darum, ihm ein neues Fläschchen davon mitzubringen. Dieses Mal ist es Jan, der mir persönlich die Türe öffnet und der mir fest die Hände schüttelt. Wir set­zen uns und Jan be­ginnt zu erzählen, mittendrin beginnt seine Frau das Ge­spräch fortzufüh­ren, denn so vieles ist in der Zwischenzeit passiert und Jan weiß vieles davon nicht, auf Grund seiner Bestrahlungen und der Chemotherapie. Früher rauchte Jan ein Päckchen Tabak am Tag und macht das als Auslöser für den Lungenkrebs verantwort­lich. Er war immer ein le­bensfroher Mensch, besaß eine Firma und verkaufte Möbel. Vor ein paar Jah­ren wollte er bei der Re­novierung seiner Farm mit anpacken. Das Hieven der MDF-Platten ging ihm da­bei nicht schnell genug und weil fertig werden wollte, half er beim Tragen. Am nächsten Tag hatte er Schmerzen in seiner Brust und musste Blut husten. Ihm fuhr es augenblicklich durch den Kopf: »Hier ist etwas nicht in Ordnung, vielleicht ist es Lungenkrebs?« Brennen in der Speiseröhre Sein Hausarzt schickte ihn sofort ins Kranken­haus nach Zwolle. Dort wurden Röntgenauf­nahmen gemacht und eine Biopsie (Gewe­beuntersuchung) ver­anlasst. Die Diagno­se: Mediweed1 Bronchialkarzinom, umgangssprachlich Lungenkrebs in einem sehr gefährlichen Sta­dium mit einer Überlebenschance von 8-9 Monaten. Diverse Untersuchungen folgten. Zuerst eine kombinierte Behandlung, am Mor­gen: Bestrahlung, am Nachmittag: Chemothe­rapie und abends wieder Bestrahlungen. Die ganze Nacht wur­de er intravenös mit Medikamenten ver­sorgt, die seine Arte­rien vorm Verschlie­ßen bewahrten. So wurde Jan im Rhyth­mus von je einer Wo­che Behandlung und zwei Wochen Be­handlungspausen versorgt. Die Resul­tate waren befriedigend, aber die Krankheit kam immer wieder. Dann wurde die Milz auch betroffen und musste nach langem Zögern entfernt werden. Nach einem weiteren halben Jahr wurde eine Metastase in der Mitte der Brust konstatiert. Der Krebs brach nun an drei weiteren Stellen aus. Sie wurden ebenfalls bestrahlt und dies hinterließ bei Jan ein höl­lisches Brennen in der Speiseröhre. Er konn­te nicht mehr schlucken und wurde künstlich ernährt. Drei Leben Die Ärzte waren erstaunt darüber, dass Jan all dies überlebte: „Sie haben drei Leben", sagten sie des Öfteren zu ihm. Auf Grund all seiner Behandlungen konnte er kaum noch gehen, dieser heftige Verfall seines Körpers veranlasste die behandelnden Ärzte, letztend­lich von weiteren Behandlungen abzusehen. Jan bekam den Ratschlag, nach fast drei Be­handlungsjahren in 6-8 Wochen einen neuen Termin zu ver­einbaren. Sie könnten jetzt nichts mehr für ihn tun, er sei nun austhera­piert. Jan be­kam noch eine Ladung heftiger Schmerzmittel, Fentanyl-Pflaster (synthetisches Opioid) und OxyNorm mit auf den Heimweg. Fentanyl ist eine ähnliche Substanz wie Morphium, wirkt aber viel stär­ker. Die Pflaster brauchen nur alle drei Tage erneuert zu werden. OxyNorm ist ein Opiat mit möglichen Nebenwirkungen wie Benommen­heit und Halluzinationen. Helikopter Nun, Jan hatte solche Nebenwirkungen, dass er Helikopter im Garten landen sah. Er sprach über nicht existierende Polizeibeamte, die sein Treibhaus durchsuchten. Er hatte drei große weiße Kaninchen bei seinem Nachbarn bestellt und stritt dies später ab. Er kommen­tierte laut andere Leute auf der Straße oder im Supermarkt und bekam dann noch die Gürtel­rose, eine schmerzhafte Viruserkrankung. Jan schlief schlecht, stand zehnmal in der Nacht aus seinem Bett auf und lief dann kreuz und quer durchs ganze Haus. Seine Frau wachte deshalb ebenfalls des Öfteren auf und konn­te nie entspannt weiterschlafen. Die Situation wurde immer unerträglicher, bis sein Sohn Stefan auf die Idee kam, sich nach alterna­tiven The­rapien umzuse­hen. Das Ganze en­dete dann bei me­diwiet.nl. Der Lungenfacharzt und sein Hausarzt hatten nichts dagegen: „Wenn Cannabis dir irgend­wie helfen sollte, warum nicht, wenn du es möchtest, dann mach es!" 1000-Euro-Spritze Fünf Wochen später sitze ich wieder auf der Couch bei Jans Familie. Während ich seine ganze Leidensgeschichte aufschreibe, werde ich fast erschlagen von den vielen Namen der verschiedenen Medikamente, die )an in dieser Zeit alle schlucken musste. Seine Frau Jacqueline zeigt mir einen Korb voll mit den verschiedensten Verpackungen davon. „Sind das alle Medikamente?", frage ich ungläu­big. „Nein", ant­wortet sie, „das sind nur diejeni­gen, welche Jan regelmäßig ein­nehmen musste. Wir hatten noch weitaus mehr verschiedene Medikamente, unter anderem auch Spritzen, die im Kühlschrank gelagert werden mussten und von denen eine einzige Spritze über 1000 Euro kostete." Keine weiteren Probleme Mediweed2

Jan sitzt in seinem Stuhl mit einem brei- ri ten Grinsen im Gesicht. Ich frage ihn, ob er nicht für ein Foto mit dem Korb voll seiner alten Pharmazeutika und einem Fläschchen Marijuana-01 posieren möchte. Er nimmt jetzt 2 Tropfen dreimal am Tag er. manchmal auch mehr, aber dann wird er meist sehr schläfrig. Mittlerweile schläft er nachts durch, vorher nahm er gewöhnlich Oxazepam and Diazepam, aber das wirkte bei ihm eh nicht als Einschlafhilfe.

Nachtschwester für nichts

„Nebenbei, wir haben ein anderes Problem, die Nachtschwester. Dadurch, dass ich dau­ernd nachts wach wurde und umherlief, ar­rangierte der Krankendienst eine Nachtschwester, damit meine Frau schlafen konnte und weil die mit der Situation nicht mehr zurechtkam. Diese nette Schwe­ster sitzt nun jede Nacht für nichts auf dem Sofa rum, da wir ihre Hilfe nicht länger benötigen. Aber der Krankendienst will sie nicht zurückordern, weil es lange gedauert hat, sie überhaupt zu finden und weil sie befürchten, dass wenn wir sie später vielleicht wieder brauchen sollten, sie nicht mehr zur Verfügung stünde. Bürokratie auf die Spitze getrieben! ... aber wir kümmern uns deshalb besonders nett um sie", sagt mir Jan.

Grüner Daumen

Beim Verlassen begleitet Jan mich wieder per­sönlich nach draußen. Er plant definitiv im kommenden Frühjahr einige Marijuana-Pflan­zen in seinen Garten zu pflanzen. „Ich habe einen grünen Daumen und egal, was der Rest der Welt über mich denkt, es kümmert mich nicht!"

Wernard Bruining

 

Weitere infos unter: www.mediwiet.nl

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