Hanfanbau im Grosstadtdschungel | Hanfclub

Hanfanbau im Grosstadtdschungel

Jul 16

Ich hatte vergangenes Jahr das Glück, zwei Vertreter einer sehr seltenen Spezies kennenzulernen:

Professionelle Outdoor-Grower, die ihrer illegalisierten Tätigkeit zudem im Dschungel einer der großen deutschen Städte nachgehen, also echte Guerilla Grower. Bounty und Dr. Greenthumb haben ganz eigene Techniken und Tricks entwickelt, um auch inmitten von bewohnten Gebieten unbemerkt Hanf anbauen zu können, sie nennen es den "Integrierten Anbau". Das folgende Interview fand in gemütlicher Atmosphäre kurz vor der Verwertung ihrer Erntereste statt.

Hanfanbau im Grosstadtdschungel

Thcene: High

Dr. G./Bounty: High auch.

Wie seid ihr zu eurem Hobby gekommen?

Bounty: Ich baue eigentlich schon seit 20 Jahren Outdoor an, anfangs nur für mich selbst. Der Rest hat sich irgendwie so ergeben. Ich growe zwar seit fast 15 Jahren auch Indoor, aber draußen mag ich viel lieber. Ist einfach natürlicher und schmeckt besser. Außerdem ist es viel billiger.

Wie muss ich mir das vorstellen? Geht ihr im April durch die Parks und streut Outdoor-Samen?

Dr.G.: Gott bewahre, nein. Wir teilen uns die Arbeit. Wir fangen schon im November des Vorjahres mit den Vorbereitungen an. Wir bereiten dann die Plätze vor und Bounty setzt die Mutterpflanzen für die Stecklinge an. Aus Samen ginge das gar nicht, weil wir nur gut vorgewachsene Pflanzen rausstellen. Sämlinge hätten bei unserer Methode auch gar keine keine Chance, sich gegen die anderen Pflanzen drumherum durchzusetzen.

Bounty: Genau, bereits vor zwei Jahren haben wir die Grundlage für unsere diesjährige Zucht gelegt, indem wir in der Schweiz drei Sorten Samen gekauft haben. Granflora, Double Gum und Skyflight von Swiss Seeds. Es ging uns darum, frühblühende Sorten zu haben, die auf jeden Fall bis Oktober fertig wer­den. Da waren die Schweizer Sorten für nördliche Breitengrade naheliegend. Aus den Samen habe ich dann vorletztes Jahr zuerst die besten Pflanzen herausselektiert, und zwar ersteinmal indoor ("Alles Tutti bei Mutti" in Heft 06/10) und daraus neun Mutterpflanzen gezogen: Drei Granflora, drei Skyflight und drei Double Gum.

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Vergangenes Jahr haben wir dann diese besten Phänotypen der Schweizer Sorten meiner Indoorkammer draußen ausgetestet. Denn nicht immer ist das, was indoor gut ist, auch für draußen geeignet, egal was auf dem Label steht. Von den neun Phänotypen, die wir selektiert hatten, und 2008 Outdoor ausprobiert haben, haben wir für 2009 nur vier übrig behalten: Je zwei Granflora und zwei Skyflight, die Double Gum haben wir komplett ausgemus­tert, weil sie draußen oft zwittrige Blüten gebildet hat und die Erträge wirklich nicht besonders waren. Die anderen Phänos hatten auch alle irgendetwas, was uns nicht ganz optimal gepasst hat (zu lange Blüte, zu große Internodien, zu kleiner Ertrag, usw.). Also haben wir sie als Outdoorpflanze ausgemustert und ganz nach drinnen verfrachtet oder ganz aus dem Sortiment geworfen. Dieses Jahr haben wir dann nur Granflora und Skyflight gepflanzt.

Waren die feminisiert oder regulär?

Bounty: Die gibt es nur regulär (lacht). Mit Feminisierten haben wir Outdoor echt schlechte Erfahrungen gemacht. Die Keimrate bei der Vorzucht unter Licht betrug schon nur 50 Prozent und die Sorte war Indoor schon extrem anfällig. Zudem waren nochmal über 50 Prozent zwittrig, wie sich dann erst draußen herausgestellt hat. Die haben dann unsere besten Ladies der anderen Sorten noch mitbestäubt, nein danke. Outdoor seitdem nur aus regulären Seeds. Indoor habe ich ja jeden Tag die Kontrolle und sehe so was früh genug, aber draußen ... brauch' ich nicht. Ich habe seitdem dem ganzen Feminisierungswahn abgeschworen und stehe wie eh und je auf stabile Mutterpflanzen, selektiert aus regulären Samen.

Wie bereitet ihr einen Platz vor?

Dr.G.: Wir gehen im November raus, graben die ersten zehn Zentimeter unse­rer potentiellen Pflanzstelle für kommendes Jahr um und entfernen Wurzelreste, Steine und die Grasnarbe. Dann legen wir Laub und Äste drüber, so dass man im Frühjahr nur noch schnell die Pflanze einbuddeln muss. Das verringert später die Aufenthaltszeit mit den Graspflanzen vor Ort immens, ein sehr wichti­ger Faktor, die Entdeckungs-Wahrscheinlichkeit zu senken. Plätze, die letzte Saison nicht gefunden wurden, nutzen wir wieder. Für enttarnte Stellen suche wir uns neue.

Worauf achtet ihr bei der Wahl des Platzes?

Dr.G.: Eine Menge. Er darf auf keinen Fall gut von einem Weg, einer Strasse oder einer Bahnlinie her einsehbar sein. Braucht aber ausreichend Sonne und Wasser. Sonne sollte vor allen Dingen nachmittags und abends vorhanden sein und Hanfanbau im Grosstadtdschungel7 auch im Herbst muss der Platz trotz tief stehender Sonne noch ausrei­chend beleuchtet werden. Deshalb ziehen wir Süd-oder Südwestlagen definitiv vor. Wir nutzen auch so genannte "Zeigerpflanzen". Brennesseln zeigen, dass ausreichend Phosphor und Stickstoff vorhanden sind. Allerdings brauchen die nur wenig Licht. Holunder braucht viel Licht, also ist eine Stelle, wo Brennesseln und Holunder wachsen, optimal geeignet. Am besten ist, wenn der Growplatz rundhe­rum von Brennesseln geschützt ist. Da geht kaum jemand freiwillig durch. Wir achten schon beim Vorbereiten darauf, dass sich die Pflanzen nächstes Jahr gut an die Umgebung anpassen können, also integrieren. Deshalb legen wir die Plätze auch nie symetrisch als Kreis oder Quadrat an, sondern passen sie den Gegebenheiten an. So, dass wir im Frühjar ungefähr 20 Pflanzen in Form einer Banane oder einer Elipse in die Landschaft mit den sowieso vorhandenen Pflanzen einpassen. Gut ist, wenn möglichst viele verschiedene Arten vorkommen, denn jede lenkt mit ihrer bunten Blüte wiederum von unseren Damen ab. Wir nennen das "Integrierten Anbau". Außerdem achten wir penibel darauf, keine Pfade zu trampeln, wir nutzen vorhandene Tierpfade. Mit ein wenig Übung sieht man die überall in der freien Natur. Selbst hier in der Stadt gibt es unzählige wilde Tiere, die des Nachts durchs Gehölz schleichen. Wer genau hinschaut, schafft es, auf deren Wegen zu wandeln. Das hat auch den positiven Effekt, dass wir sehen, wenn jemand Unbefugtes bei den Pflanzen war, bevor wir ankommen. So sind wir auf alles gefasst und doppelt hellhörig und vorsichtig.

Wie geht es dann weiter?

Bounty: Nachdem wir vor dem ersten Frost draußen alles vorbereitet haben, küm­mere ich mich in meiner Vegi-Kammer um die Stecklinge. Vom unserem "Genpool 2008" habe ich zwei Granflora und zwei Skyflight-Mütter übrig behalten, den Hanfanbau im Grosstadtdschungel4 Rest habe ich Indoor ausblühen lassen. Die Skyflights hatten zwei Phänotypen, einer davon hatte total kurze Internodien und einen üppig-gedrungenen Wuchs. Den haben wir dann für dieses Jahr im Freien benutzt. Leider blüht die Skyflight ziem­lich lange bei uns und wir hatten Mühe, sie bis Ende Oktober fertig zu bekommen. Bei der Granflora hatten wir im Jahr zuvor auch zwei Phänotypen, wovon einer schon Ende September, der andere Anfang Oktober fertig werden sollte. Aber die werden schon ganz schön mächtig und sind schwerer zu verstecken als die Sky-flight. Deshalb und aufgrund des Ertrags und des Geschmacks wollen wir im kom­menden Jahr nur noch Skyflight pflanzen. Wird gerade so fertig und ist ein echter Knüller. Also habe ich dieses Jahr ungefähr 100 Stecklinge vorbereitet, wofür ich mir schon im November mehrere kleine Mutterpflanzender erwähnten Sorten vor­gezogen hatte. Bereits im Februar habe ich dann angefangen, die Stecklinge zu schneiden, damit ich sie nach der Bewurzelungsphase im Gewächshaus noch fast zwei Monate unter 36 Watt-Leuchtstoffröhren vorwachsen lassen kann. Dann haben wir Mitte-Ende April und je nach Witterung wird es Zeit, die mittlerweile 20 Zentimeter großen Ladies an die frische Luft zu setzen.

Was macht ihr noch, um euch und Eure Pflanzen vor zweibeinigen Schädlin­gen zu schützen?

Dr.G.: Wir benutzen nie ein Auto, sondern immer öffentliche Verkehrsmittel und/oder das Fahrrad. Außerdem sind wir immer als harmlose Spaziergänger, am besten noch mit Hund, getarnt. Ab dem Einpflanzen arbeiten wir ausschließlich nach dem Erdmännchen-Prinzip: Einer kümmert sich, der andere steht Schmiere. Manchmal haben wir auch Walkie-Talkies dabei. Auch wenn es durch die Vorsichtsmaß­nahmen viel länger dauert, haben wir uns so schon unangenehme Hanfanbau im Grosstadtdschungel6 Begegnungen erspart. Wir lassen auch nie persönliche Sachen rumliegen, damit wir zur Not schnell abhauen können, was wir zum Glück noch nie mussten. Wenn wir einen schönen Platz finden, bei dem Pflanzen eventuell aber zu hoch werden könnten, graben wir eine Grube. Wenn die Pflanzen einen halben bis einen Meter niedriger stehen, überwuchern sie die nebenstehenden Pflanzen dadurch nicht so leicht. Vergangenes Jahr erst sind wir auf diese "bekloppte" Idee gekommen, denn wir hatten eine Superstelle, bei der wir aber wussten, dass sie ab einer gewissen Pflanzenhöhe von einem Trampelpfad aus einsehbar ist. Da habe ich einfach an der Stelle eine 70 Zentimeter tiefe Pflanzgrube ausgehoben, um später nicht die Spitze der Pflanze beschneiden zu müssen. Die Spitzen schneiden wir nur im Notfall, also wenn akute Enttarnungsgefahr besteht, ab. Und das auch nur während der Wachstumsphase, in der Blüte käme das nicht in Frage.

Wie sieht die Arbeit vor Ort im Frühling und Sommer konkret aus?

Bounty: Die Einpflanzarbeiten Ende April/ Anfang Mai machen wir natürlich zu­sammen. Wir schnappen uns einen Campingsack mit Angießwasser, eine kleine Schaufel und verpacken 20 Stecklinge absolut transport- und geruchssicher. Dann fahren wir an den vorbereiteten Platz, wo alles Dank der Vorarbeiten im November ganz fix vonstatten geht:

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Laub beiseite schieben, 20 kleine Löcher graben Steckis rein, Gießrand formen, angießen und ein wenig Schneckenkorn drumherrum. Das ist unser einziges Hilfsmittel, weil uns die Viecher schon den letzten Nerv geraubt haben. Ansonsten haben wir nur ein wenig Wurzelstimulator im Angießwasser, gedüngt wird während der ganzen Zeit überhaupt nicht, gespritzt sowieso nicht. Wir setzten ungefähr zwei bis drei Stecklinge pro Quadratmeter, je nach Sonnenein­strahlung und Sorte. Dann gibt es eine kurze Rückfrage an das Wachmännchen, ob die Luft rein ist, fertig und ab nach Hause. Das machen wir eine Woche lang und haben so die vorbereiteten Pflanzen alle dort, wo wir sie haben wollen.

Wie pflegt ihr die Pflanzen, während sie draußen stehen?

Bounty: Der Anfang ist entscheidend. Wir machen nach fünf Tagen unseren ersten Kontrollgang. Dabei werden die Stecklinge, die nicht gut oder gar nicht angewach­sen sind, durch neue, kräftige ersetzt sowie zum ersten Mal konkurrierende Pflan­zen beseitigt. Unkraut im eigentlichen Sinne gibt es ja bei unserer Methode nicht, wir achten nur darauf, dass andere Pflanzen unsere Hanfdamen nicht verdrängen, wenn diese noch jung und zart sind. Während der ersten drei Wochen muss man sich ständig kümmern, danach überlassen wir das Meiste Mutter Natur. Nur wenn es im Sommer richtig heiß und trocken wird, fahren wir "Notgießen". Das ist aber total aufwendig, weil man mindestens zwei große Rucksäcke voller Wasser pro Stelle schleppen muss. Besser ist, bei der Wahl des Platzes darauf zu achten, dass er auch zu Trockenzeiten über ausreichend Feuchtigkeit im Boden verfügt. Auch hierzu nutzen wir bei der Platzwahl die umstehenden Pflanzen als "Zeigerpflanzen". Dieses Jahr mussten wir einmal während einer langen Trockenperiode an einer Stelle nachgießen, der Rest hat es locker so geschafft.

Wie hoch sind/waren die Verluste?

Dr.G.: Das ist jedes Jahr unterschiedlich. Dieses Jahr sind alle fünf Plätze, die wir hatten, durchgekommen.

An einem Platz haben sogar irgendwelche Baumpfleger darauf geachtet, unser Feld nicht zu beschädigen. Die mussten da wohl arbeiten und hatten anscheinend ein Herz für Kiffer. Nix umgeknickt, nix geklaut. Danke nochmal an dieser Stelle. Dafür war das Wetter mies und der Ertrag nicht besser als das Jahr zuvor, als uns an zwei Pflanzstellen alle Plants geklaut wurden. Das beste daran war noch, dass die Bullen die Diebe ein paar Tage später mit der Ernte erwischt haben. "Hab' ich gefunden, Herr Wachtmeister!" hat denen eh keiner geglaubt.

Nach der Pflege kommt dann die Ernte?

Bounty: Genau. Dazu packen wir uns eine Rosenschere für die Stängel und eine Bonsai-Schere zum Beschneiden der Blüten in den Rucksack. Außerdem sind Handschuhe für den Heimweg immens wichtig, weil man draußen die nach Gras stinkenden und klebenden Hände schlecht sauberbekommt. Wenn das Wetter schön ist, beschneiden wir die Pflanzen gleich vor Ort. Nicht direkt am Pflanzort, sondern in irgendeiner ruhigen Ecke ein paar hundert Meter entfernt. So ist es ein­facher, sie zu transportieren und die groben Schnittreste könne draußen bleiben. Bei schlechten Wetter schneiden wir Hanfanbau im Grosstadtdschungel5 sie nur vom Stängel und machen den Rest zu Hause. Meist fahren wir zu jeder Stelle zweimal im Abstand von zwei Wochen, weil wir ansonsten zu viele unreife Blüten miternten würden. Egal, wieviel Mühe man sich macht, um ein gleichmäßiges Wuchsbild zu erzeugen: Selbst bei einem Feld der gleichen Sorte gibt es sogar an der gleichen Pflanze immer wieder unter­schiedlich reife Buds. Das ist wie bei einem Kirsch-oder Apfelbaum. Wichtig beim Transport der Ernte in die Zivilisation ist in jedem Fall eine absolut geruchsdichte Verpackung. Bevor die Ernte in einen Rucksack oder eine Tasche wandert, muss sie bereits in drei oder vier Lagen Folie eingewickelt sein. Anschließend fahren wir im Expresstempo zur Trockenkammer, denn frisches Gras mag ja eigentlich keine Plastikverpackung.

Die Trockenkammer ist die gleiche, die ich für meine Indoor-Grows benutze: Eine kleine, selbst gebaute Box mit einem kleinen Lüfter und einem Aktivkohlefilter. Da werden sie dann kopfüber aufgehangen und trocknen zwischen 10 und 20 Tagen. Dann schneiden wir die Blüten herunter, packen sie in eine Plastiktonne mit halb geöffnetem Deckel und wenden das Weed darin einmal am Tag. Nach knapp vier Wochen hat es ein richtig nettes, intensives Aroma und ist bereit, geraucht zu werden. Aber dann ist es auch schon wieder Zeit, die Stellen für das kommende Jahr vorzubereiten.

Was macht ihr mit den Ernteresten?

Dr.G.: Eishasch. Aber nicht wie Du jetzt denkst, sondern auf unsere ganz spe­zielle Art.

Beide: Gern geschehen, Grüße an alle Grower und die Thcene Leser, tschö.

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