Global Marijuana March 2009 | Hanfclub

Global Marijuana March 2009

Jul 17

Seit dem Jahr 2000 wird alljährlich Anfang Mai ein internatio­naler Hanf-Aktionstag organisiert. An verschiedenen Orten der Welt werden gleichzeitig Aktionen zum Thema Cannabis durch­geführt, die Aufmerksamkeit auf die Thematik lenken sollen. Den Initiator und Gründer dieser Aktion — Dana Beal — hatten wir euch in der letzten Ausgabe vorgestellt. Mittlerweile liegen uns die Berichte über die diesjährigen Veranstaltungen aus Ber­lin und Frankfurt vor, die uns freundlicherweise von den Veran­staltern zur Verfügung gestellt wurden.

Wie nicht anders zu erwarten, kamen zwar keine Menschenmas­sen zusammen, aber immerhin zeigt sich etwas „Bewegung"...

Global Marijuana March 2009-01 Es hat geklappt! Nach nur knappen vier Mo­naten Vorarbeit des frisch gegründeten Hanf­werks fanden sich tatsächlich 30o Menschen in Berlin vor dem Brandenburger Tor zusam­men, um friedlich die Legalisierung von Can­nabis unter strengen Jugendschutzbedin­gungen zu fordern.

Im Kontext des Global Marijuana March, der in über 30o Städten über eine Million Men­schen weltweit auf die Straßen bringt, war Berlin das erste Mal seit längerem mit einer richtigen Demonstration dabei, Paradewagen inklusive!

Unterstützung erhielt das Hanfwerk von Mo­nika Knoche — Die Linke, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, Hans-Christian Ströbele — Bündnis 90/Die Grünen und Chris­tine Schulz-Grotkopp von den Jungen Libe­ralen.

Die Forderungen der Rednerinnen endlich Tatsachenpolitik zu betreiben, steuerliche Einnahmen zu sichern, Jugendschutz und Ge­sundheitsschutz garantieren zu können und die polemische Verdrehung von Kausalitäten im Bezug auf Hanf endlich zu beenden, ent­sprachen einer wahrheitsgetreuen Darstel­lung der derzeitigen Problematik. Nach der halbstündigen Kundgebung formierte sich ein Straßenzug, der mit Reggae und dicken House-Bässen die Straße Unter den Linden entlang marschierte. Staunende Blicke von Touristen, Anwohnern und Passanten, viel Verständnis und einige Kritik gab es als Re­sonanz zurück. Die anwesende Presse und private Kameras schossen hunderte von Schnappschüssen der friedlichen Menge, die ihre Forderungen auf bespannten Transpa­renten vor sich hertrugen. Die Polizei sorgte ebenso friedlich, Global Marijuana March 2009-02 freundlich und auch ver­ständnisvoll für eine reibungslose Fortbewe­gung und Sicherung des Straßenverkehrs, auf Taschenkontrollen wurde ganz verzichtet. Das gute Wetter sorgte für eine angenehme Stim­mung, die die teilnehmenden Demonstran­ten nach dem viereinhalb Kilometer langen Marsch durch die Berliner Innenstadt in das Yaam lockte. Freier Eintritt für alle Teilnehmer und eine Abschlusskundgebung waren eben­falls ein guter Grund, den Abend in Legalisie­rungsumgebung zu verbringen.

Barbara Seid - Die Linke, Emanuel Kotzian - Herausgeber des Hanf Journals, Steffen Geyer vom DHV, Hans Cousto von eve&rave, Martin Steldinger und Koschka von der Hanfparade hielten mahnende, fordernde und nachdenk­lich stimmende Ansprachen in umso entspan­nter Atmosphäre.

Um 18 Uhr war das Ende der Kundgebung und der Beginn der offiziellen Hanftag-Party.

Mit einigen Informationsständen verschie­dener drogenpolitischer Einrichtungen, ei­ner Half-Pipe, einem Basketballplatz, einem Sandstrand und vielen lukullischen Genüssen war der Anfang der Party ein vorbildliches Bild sozialen Zusammenseins. Die Jungs von Ver­dampftnochmal.de hatten zwei ihrer Extreme-Vaporizer dabei und Global Marijuana March 2009-03 spendeten Besuchern einige Ballons mit gesunder Eukalyptus- und Salbeiluft. Selbst mitgebrachte Kräuter wur­den von allen Beteiligten aber ebenso ge­nussvoll verdampft.

Als es um 23 Uhr auf dem Outdoor-Gelände zu regnen begann, waren die Partybunker des Yaam längst voller Menschen und lauten, hei­ßen Rhythmen. Im Laufe des Abends kamen um die 1100 Gäste auf die Hanftag Legalize it!-Party und freuten sich ob der wohlbekannten Kräuterschwaden, die von fast jedem Anwe­senden auf und an verblasen wurden.

Das Hanfwerk ist mit dem Ergebnis des ge­samten Hanftages, trotz finanzieller Verlus­te, zufrieden. Es wird im nächsten Jahr wie­der am Global Marijuana March teilnehmen und hat sich zum Ziel gesetzt, in Berlin den Hanftag als Basis stetiger Legalisierungsar­beit zu etablieren und die Teilnehmerzahlen jährlich zu verdoppeln. Danke allen Teilneh­mern für ihren Mut, sich zu zeigen; zu zeigen, dass man Rechte fordert und Veränderung beschwört. Weil man die derzeitige Situation nicht länger ertragen möchte und sich von der Allgemeinheit mehr als nur falsch verstanden fühlt.

Das Hanfwerk Berlin dankt allen herzlich und hofft auf weitere Unterstützung bei unseren folgenden Aktionen.

www.hanfwerk.de

Frankfurt. Rund 100 Hanffreundinnen beteilig­ten sich an der Hanf-Kundgebung „GIVE FIVE" zur Relegalisierung des Hanfanbaus zum Ei­genbedarf am 9.Mai auf dem Opernplatz. Nach der enttäuschend geringen Beteiligung beim letztjährigen Hanf-Protest im Zusammenhang mit dem weltweiten „marijuana marsh"-Pro­testtag freute sich Ingrid Wunn (Hanfinitiative Frankfurt) über den auch in Frankfurt wieder wachsenden Hanf-Protest.

Grüne Hilfe und „Die Linke."- LAG Drogenpoli­tik Hessen beteiligten sich mit Infoständen.

Die Redebeiträge wurden moderiert von Mi­chael Ohlenschläger (Hanf-Initiative), um­rahmt wurde das Programm mit einem Sound-system. Unterstützt wurde die Kundgebung von „Die Linke."- BAG Drogenpolitik/ LAG Drogenpolitik Hessen/ LV Hessen/ KV Frank­furt/ KV Vogelsberg, dem Frankfurter Sozial­bündnis, der Grünen Hilfe, Global Marijuana March 2009-04 Yes Frankfurt und dem Verein für Drogenpolitik.

Zunächst erläuterte Ulrich Wilken (Vorsit­zender der hessischen Linken und Mitglied des hessischen Landtags), dass der Kampf für eine andere Gesellschaft sich in verschie­densten Formen zeige und sich „Die Linke. Hessen" freue, sich hier am Hanf-Protest be­teiligen zu können: „ Drogenkonsum könne zu Problemen führen, beispielsweise zu Kri­minalisierung und Sucht. Die Unterscheidung in legale und illegalisierte Substanzen ist willkürlich", sagte U.Wilken und forderte u.a. ehrliche und ernsthafte Drogenaufklärung be­reits in der Schule, Entkriminalisierung und wissenschaftlich nachvollziehbare Grenz­werte für Cannabis im Straßenverkehr.

Carsten Labudda wies u.a.daraufhin, dass die UN-Drogenkommission eingestehen musste, dass die Verbotspolitik nicht zur Eindämmung des Drogenmarktes geführt habe und 2009 zum „Jahr der Besinnung" aufgerufen habe. Er berichtete von Drogenverunreinigungen, beispielsweise mit Blei und Glasstaub, einer kleinen Anfrage der linken Bundestagsfrakti­on zum Thema „Drugchecking" kritisierte die Verweigerung der Bundesregierung, die dro­genpolitische Realität anzuerkennen: „Drugchecking ist böse, weil es Menschen zum Drogenkonsum ermutigen könne, über diese eindimensionale Sichtweise kommt das Ge­sundheitsministerium nicht hinaus." Zur Risi­kominderung des Drogenkonsums forderte C. Labudda neben legalisierten „Drugchecking"­Angeboten u.a. einen regulierten statt deregu­lierten und privatisierten Drogenmarkt durch legalisierte Drogenfachgeschäfte.

Anschließend verlas der Alsfeld Grüne Hilfe-Sympathisant Rudi Reiser ein Grußwort des aus gesundheitlichen Gründen verhinderten GH-Vorsitzenden Jost Lessmann, in dem er u.a. die Kriminalisierung von Tausenden von Menschen Tag für Tag und die unsachliche Berichterstattung der Medien kritisierte. Das Resultat dieser Desinformation seien fehlge­leitete Kinder und orientierungslose Jugend­liche, die bei Bier und Zigaretten erzogen würden. Die bestehende Desinformation sei so deutlich, wie die Global Marijuana March 2009-05 unermesslichen Möglich­keiten der Nutz- und Genusspflanze Hanf: Da­her fordere die GH die Legalisierung von Can­nabis.

Als Pressesprecher der GH wies Jo Bierman-ski darauf hin, dass am „marijuana march"-Protestwochenende in über 250 Städten welt­weit für Cannabis demonstriert werde. Auch in Deutschland werde das Thema Hanf- und Drogenkonsum weiterhin tabuisiert und so wirklicher Verbraucherinnen- und Jugend­schutz verhindert: „Da Drogenkonsum nicht durch Verbote einzudämmen ist, ist „Drug-checking" eine unerlässliche Notwendigkeit des Gesundheitsschutzes". Er berichtete von ehrenamtlicher Information und Hilfe der GH-Aktivistinnen für Prohibitionsopfer und kri­tisierte hier besonders, den Missbrauch des Fahrerlaubnisrechts als „Ersatzstrafmittel":

Wer Cannabis-Konsumentinnen auch ohne akut berauschte Teilnahme mit fahrerlaubnis- rechtlichen Maßnahmen von der Teinahme am Straßenverkehr ausschließe, gefährde die Verkehrssicherheit: Es befördere die Denk-­weise, wenn ohne akut berauschtes Fahren-bereits repressive Maßnahmen drohen, kannMensch genauso bekifft fahren: „Die Fahre-­laubnis ist ja auch ohne berauschte Teilnah­me am Straßenverkehr gefährdet."

Politisch kritisierte J. Biermanski die Ignoranz von CDU/CSU, SPD und FDP, sich starrköpfig einer rationalen und humanen Drogenpolitik zu verweigern. Fortschrittlicher zeigten sich hier B`90/ Die Grünen und Die Linke., wobei J. Biermanski Christian

Ströbele (Die Grünen, MdB) und Monika Knoche (Die Linke., MdB) lobend heraushob. Aber auch bei diesen Par­teien seien es aber einzelne Funktionsträge­rinnen, die sich drogenpolitisch entsprechend engagierten. Hier seien Basis-Aktivistinnen von B`90/ Die Grünen und Die Linke. auf Unter­stützung von weiteren engagierten Menschen angewiesen, um vernünftige drogenpolitische Positionen in den Parteien auszubauen und zu erhalten. Er kritisierte u.a., dass es Die Linke. versäumt habe, im Europawahlprogramm eine drogenpolitische Position zu formulieren. Als Sprecher der linken Landesarbeitsgemein­schaft Drogenpolitik Hessen wies J. Bierman-ski darauf Global Marijuana March 2009-06 hin, dass bei linken Arbeitsgemein­schaften auch „Nichtmitglieder" mitarbeiten können.

Christian Holt klagte Repression, Stigmati­sierung, Ausgrenzung, Kriminalisierung und Tod als Folge der Prohibition an und forderte im Namen von Yes Frankfurt die Freigabe al­ler Drogen. Für die Legalisierung aller Drogen fordert Yes in einem 9 Punkte umfassenden Positionspapier u.a. „Drug-Stores" mit kom­petentem Fachpersonal, Lizenzvergabe an Händler, Qualifizierung als Drogenfachver­käufer, Konsumbeschränkungen durch das Jugendschutzgesetz (Freigabe erst ab 16 Jah­ren), sachgemäßes Aufklärungsgebot und Werbeverbot, Verbrauchs- und Warnhinweise, Qualitätsüberwachung und Produkthaftung.

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