Erfahrung eines Hanf-Patienten | Hanfclub

Erfahrung eines Hanf-Patienten

Jul 17

Mein Name ist Ralf H. und ich bin 37 Jahre alt. Seit einiger Zeit bin ich in der Solarbranche tätig, aber gelernter IT-Systemelektroniker. Ich verfüge auf Grund meiner Krankheit über die offizi­elle Erlaubnis, Cannabis zu besitzen. Wie es dazu kam, möchte ich euch in dem folgenden Bericht gerne näher schildern.

Meine Krankheit hat schon in meiner Kindheit angefangen als ich ca. 6 Jahre alt war. Leider wurde sie jedoch erst später im Erwachsenal­ter durch einen Zufall diagnostiziert. Damals rief mich eines Tages plötzlich eine mir unbe­kannte Cousine an und gab mir den Rat, mich auf ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­aktivitätsstörung) untersuchen zu lassen. Es könne gut sein, dass ich auch diese Krankheit habe. Ihr Tipp war goldrichtig. Ich hatte schon immer Probleme mit meinem Verhalten, was in der Verwandtschaft nicht unbekannt blieb. So ließ ich mich parallel bei 2 Fachärzten un­tersuchen und beide stellten daraufhin die Di­agnose ADHS.

Hanf-Patienten Es kam noch hinzu, dass ich durch meine erste Arbeit als Heizungsbauer chronische Schmer­zen bekam. Meine Bandscheiben hatten sich abgenutzt und zusätzlich trat eine schmerz­hafte Arthrose in den Gelenken auf. Diese Schmerzen hatte ich schon recht lange und machte deshalb seit 20 Jahren eine Selbst-Therapie mit Cannabis, was mir half, sie zu lindern.

Beim ADHS ist mein aggressives Verhalten leider sehr stark ausgeprägt und ich spüre eine ständige innerliche Unruhe. Sie prägt sich unterschiedlich aus, sprich ich habe dann andauernde Stimmungsschwankungen. Das bringt einen fast zum Wahnsinn. Mit Cannabis finde ich meine Ruhe und bin entspannt.

Viele Menschen aus meinem Umfeld können kaum glauben, dass ich ADHSler bin. Das ist für mich immer wieder die Bestätigung, dass Cannabis als Medizin hilft.

Bei sämtlichen Therapien in den Jahren 2001­2003 sprach ich das Thema medizinisches Cannabis immer wieder an. Dass mir Canna­bis langfristig am besten helfe und ich dann meine Wutanfälle einigermaßen im Griff hät­te. Aber ich bekam nur immer wieder zu hö­ren, dass es dagegen ja Ritalin gibt ... nur wur­de ich dadurch noch aggressiver und musste es wieder absetzen. Ich hatte wieder keine an­dere Wahl, als auf das damals auch für mich illegale Cannabis zurückzugreifen. Nachdem ich zig Psychologen und Ärzten durchhatte, sprach ich erneut bei meinem Hausarzt vor. Er hatte Kenntnis von meinen Anfällen und war der erste Arzt, der an die positive Wirkung von Cannabis glaubte. So wurde ich 2002 Dronabinol Patient.

Leider gab es zu der Zeit noch keine andere Möglichkeit, außer per Dronabinol legal an Cannabis zu kommen. Das Medikament ist sehr teuer und wird nicht von den Kranken­kassen übernommen, sprich der Patient muss die Kosten selbst tragen. Dronabinol hat auch nicht den gleichen Effekt wie natürliches Can­nabis. Also wurde ich praktisch wieder ge­zwungen, mir selbst zu helfen ...

So geriet ich also auch immer wieder in Kon­flikt mit dem Gesetz, und das nur, um mein Leiden effektiv lindern zu können. Wegen unserer Gesetzeslage bin ich ein „hochkri­mineller Mensch" geworden. Der unerlaubte Cannabisbesitz wurde mein Begleiter. Ich per­sönlich hab nie verstanden, warum Cannabis verboten ist, da es sich für mich um eine Heil­pflanze handelt. Ich musste in meinem Leben sehr viele Bußgelder zahlen und stand dies­bezüglich auch sehr oft vor Gericht, so dass ich am Ende eine Haftstrafe von 3 Jahren ver­büßen musste.

Nachdem ich aus der Haft entlassen wurde, begann ich eine Umschulung zum IT-ler und fing wieder an, Cannabis zu konsumieren, da­mit ich meinen Abschluss erreichen und als chronisch Kranker endlich wieder ein selb­ständiges Leben führen kann.

Es lief alles gut, ich erreichte meinen Ab­schluss und begann als IT-Techniker im Au­ßendienst zu arbeiten. Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre verschonte mich lei­der nicht, ich wurde erneut arbeitslos. Ich ver­suchte eine neue Stelle zu finden, aber dann verlor ich auch noch meinen Führerschein durch eine Verkehrskontrolle wegen aktivem THC im Straßenverkehr. Nachdem ich feststel­len musste, dass ich ohne Cannabis mein Lei­den nicht im Griff habe, gab mir ein sehr guter Freund einen hilfreichen Tipp, indem er mir die Website vom ACM (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin) zeigte. Dort fand ich genau die Infos, auf die ich seit 20 Jahren ge­wartet hatte, nämlich wie man zu einer Canna­biserlaubnis kommen kann.

Mein Antrag zur medizinischen Verwendung von Cannabis war am zweiten Tag schon im Briefkasten. Mein damaliger Hausarzt war zwischenzeitlich leider verstorben. Ich be­gann erneut einen geeigneten Hausarzt zu suchen, der mich bei meinem Vorgehen un­terstützen würde. Das war sehr schwer, da keiner der Ärzte, die ich konsultierte, dazu be­reit war. Nachdem ich verzweifelt gesucht und sehr viel Zeit verloren hatte, ging ich am Ende wieder zu dem Arzt, der mir zuerst das Drona­binol verschrieben hatte und sprach offen mit ihm. Nach langem Hin und Her mit der BfArM — dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte — und zig Anfällen dazwi­schen bemühten sich alle plötzlich doch um eine schnelle Bearbeitung und ich erhielt im Dezember 2010 endlich die ersehnte Erlaub­nis, Cannabis besitzen zu dürfen und es in der Apotheke beziehen zu können.

Dies war ein enorm wichtiger Schritt für die Genesung von meinen Leiden — mir wurde so­mit ein wenig geholfen. Aber auch diese Me­dizin muss der Patient finanziell selbst tragen und dieser Umstand erschwert somit die The­rapie. Eine 2-Klassen-Medizin spiegelt sich darin wieder. Mit einem Harz4-Einkommen ist so eine Therapie unmöglich, aber auch dann, wenn man eine Arbeitsstelle hat, sind die Ko­sten einfach viel zu hoch.

Ein Gramm Cannabis wird zwischen 14 und 16 Euro gehandelt. Das ist eine Missachtung der Menschenwürde eines jeden Patienten, der darauf angewiesen ist.

Ich kann die Krankenkassen nicht verstehen die trotz der finanziell schwierigen Zeiten di ese doch recht günstige Therapie nicht über nehmen. Seit ich medizinischer Cannabispati ent geworden bin und diese Therapie mache geht es mir persönlich viel besser. Ich weiß dass mir jetzt endlich richtig geholfen wir. und ich bin auch allen Beteiligten wie de BfArM, meinem Hausarzt und auch der Apo theke sehr dankbar für die Unterstützung Ebenfalls den Verantwortlichen vom ACM und SCM (Selbsthilfenetzwerk — Cannabis — Medi zin) danke ich sehr, die sich sehr für alle Hil fesuchenden einsetzen. Immer wieder begeg ne ich ADHSlern, die nicht wissen, was zu tu ist. Ihnen widme ich meine Geschichte. Geh zu eurem Hausarzt und beantragt eine Erlaub nis beider BfArM, es ist in der Tat sehr ein fach! Der Arzt muss ein Attest ausstellen, wo rin die jeweiligen Befunde aufgeführt werden Dann muss er sich für eine Selbsttherapie mi Cannabis aussprechen, eine Kopie vom Perso nalausweis des Patienten, sowie den ausge füllten Antrag beifügen und dann nur noch ab zur Post. Die Bearbeitung dauerte früher 1-2 Jahre oder auch länger und Anträge wurden oft abgelehnt, aber seit August 2009 werden die Anträge schneller bearbeitet, nachdem sich unter anderem der ACM und SCM dafür stark eingesetzt und vor Gericht geklagt hat ten. Es ist endlich möglich, als Patient Canna­bis legal zu erhalten. Egal mit welch schwere Krankheit: AIDS, Krebs, MS, ADHS, Tourette, Spastik, chronische Schmerzen und viele an­dere Krankheitsbilder können jetzt mit na­türlichem Cannabis behandelt werden, ohne dabei schwerwiegende Nebenwirkungen zu riskieren. Meine persönliche Erfahrung mit der BfArM bezüglich der Bearbeitung meines Antrages war sehr positiv, alle waren seh nett zu mir und es lief reibungslos ab. Auch, dass es endlich mal eine Stelle gibt, wo man sich als Patient mitteilen kann und sich ver­standen fühlt, war und ist eine sehr große Hil­fe für mich.

Die Anzahl der Patienten, die zurzeit eine Genehmigung für den Gebrauch von medizi­nischem Cannabis haben, liegt ungefähr bei 5o Personen. Die Bearbeitung meines Antrags dauerte ungefähr 2 Monate, bis die Bewil­ligung im Briefkasten lag. Auch mit dem Be­stellen der Medizin läuft es gut, ich muss kein Rezept holen, sondern kann direkt mit meiner Erlaubnis bei meiner im Bescheid angege­benen Apotheke Cannabis bestellen. Es dau­ert meistens 3 Tage, bis die Lieferung kommt und ich erhalte zudem eine Bestätigung der Lieferung, damit nachvollzogen werden kann, woher die Medizin kommt. Aus Qualitätsgrün­den wird jeweils immer frisch beim Hersteller geordert. Ein weiterer entscheidender Vor­teil ist, dass dieses Cannabis frei von Schad­stoffen wie Brix usw. ist. Dies wird in Den Haag geprüft. Somit ist gewährleistet, dass der Patienten reines Cannabis erhält, um eine erfolgreiche Therapie machen zu können.

Trotz allem Auf und Ab bin ich nun sehr froh und auch ein wenig stolz auf diese Fort­schritte bei der zunehmenden Akzeptanz von medizinischem Cannabis in der Schulmedizin, die schon einen sehr harten Weg hinter (und immer noch vor sich hat), sodass es für die Pa­tienten endlich vorangeht. Und ich hoffe, dass unsere neue „grüne" Politik allen Cannabis-freunden und insbesondere kranken Men­schen, die für den Eigenanbau von Cannabis plädieren, Unterstützung zusagen wird.

Im Jahre 2003 habe ich in Zusammenarbeit mit der Rechtsmedizin Heidelberg eine Studie gemacht. Nach Abschluss einiger Gespräche wurde die dann veröffentlicht, leider anonym ohne meinen Namen. Ich bat die Rechtsmedi­zin mittlerweile dies zu korrigieren, um we­nigstens journalistisch erwähnt zu werden. Auch über deren Mithilfe bin ich bis heute sehr dankbar, war es damals schon ein wich- tiger Schritt für mich. Leider wurde die Studie abgebrochen, weil ich noch keine Erlaubnis hatte, legal Cannabis zu gebrauchen.

Die ganze Geschichte bis zu der Genehmigung dauerte bei mir jetzt mittlerweile 11 Jahre, bis ich zu meinem Recht kam, aber ein „Happy End" ist leider noch nicht in Sicht. Es gibt noch zu viele Behörden und konservative Bürger, die leider wenig Kenntnis über Cannabis ha­ben, das eigentlich ein natürliches Heilkraut ist. Meistens sehe ich große Augen und ein Fragezeichen dahinter, wenn ich mich „oute", dass ich Cannabis-Patient bin ...

Zum Schluss möchte ich mich noch bei all de­nen bedanken, die ich namentlich aus per­sönlichen Gründen nicht erwähnt habe, denn absichtlich habe ich keine Angaben gemacht, wer genau die Personen sind, die mir bei mei­ner Therapie helfen, um sie vor Repressalien jeder Art zu schützen. Hier ein Tipp: Gebt die Hoffnung nicht auf und sucht einen Arzt, der euch unterstützt, die sind nicht einfach zu finden, aber es gibt sie. Lasst euch nicht ein­schüchtern und kämpft für euer Recht! Viel Glück allen Patienten, die diesen Weg noch vor sich haben.

Euer Cannabispatient Ralf H.

Studie: http://www.cannabis-med.org/data/pdf/de_2008_01_1.pdf Proband Ralf H.

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