steigende Zwitterrate bei Growdurchgängen – Die Zukunft des Genpools – eine Abrechnung | Hanfclub

steigende Zwitterrate bei Growdurchgängen – Die Zukunft des Genpools – eine Abrechnung

Jul 17

Kein Thema wird in Internetforen und Stammtischen so oft und heiss diskutiert wie die steigende Zwitterrate bei Growdurchgängen. In den letzten fünf Jahren ist die Zwitterquote extrem angestiegen, gerade beim Anbau mit den populären feminisierten Samen hört man immer häufiger von Hermaphroditen und sogar von ausschließlich männlichen Pflanzen. Auch bei den regulären Samen sieht es leider nicht besser aus, immer öfters erntet man auch hier Pflanzen die beide Geschlechter ausbilden.

Doch warum ist das so? Hat wirklich immer der Hobbygärtner Schuld und seine Growbedingungen nicht im Griff?

zwitter 01 Ein ganz klares Nein! Die langjährigen Grower werden mir beipflichten können. In den letzten fünf Jahren ist die Zwitterrate extrem angestiegen. Gab es früher nur hin und wieder mal einen Zwitter, so hat man heute selten mal eine rein weibliche Pflanze. Auch damals machten die Heimgärtner Fehler und setzten die Pflanzen einen gewissen Stress aus und dabei entstanden auch nie Pflanzen mit beiden Geschlechtern oder zumindest nicht in dem heutigen Ausmass. Natürlich gibt es heute viel mehr Grower aber die Verhältnisse stehen in keinem Zusammenhang, weil auch sehr erfahrene User davon betroffen sind. Jeder weiss auch, daß man gerade im Outdoorbereich den Pflanzen einiges zumutet. Da wäre der starke und wechselnde Wind, da gibt es teilweise schlechten Boden, sehr hohe Temperaturen und Schädlingsbefall, vom Wildfrass ganz zu schweigen. Dieser Stress ist viel grösser als der, den man Indoor verursachen könnte. Darum ist es nicht möglich, was viele Samenzüchter behaupten, nämlich daß man als Grower zuviel Stress verursacht hätte und darin die Ursache für die hohe Zwitterrate liegt. Ich bin über­zeugt davon, daß 80% der Zwitter genetisch bedingt sind und nicht durch Stress­faktoren ausgelöst werden. Ich erinnere mich noch an früher, als es noch keine STS Methode gab. Da versuchte man Pflanzen durch Änderungen der Photope­riode und durch starkes Beschneiden der Triebe zum zwittern zu bringen, um so feminisierte Samen produzieren zu können. Viele weibliche Pflanzen reagierten nur sehr schwach darauf und bildeten keinerlei männlichen Pollensäcke aus und nun will man den Hobbygärtnern weiss machen, daß zu hohe Temperaturen, eine zu hohe RLF oder eine einmalige 10 minütige Unterbrechung der Lichtperiode die Pflanzen zum zwittern bringen?

Oder versucht man hier vielleicht nur von den eigenen Fehlern der Vergangenheit abzulenken?

Das häufig auftretende Zwittern hat für mich persönlich drei konkrete Gründe. Es ist kein Geheimnis, das einige Züchter mit feminisierten Pflanzen OG Kush feminisiert weiterarbeiten und weiter kreuzen und sich nicht die Mühe einer eigenen Selektion machen.

Es ist eben der einfachste Weg eine bestehende feminisierte Genetik zu nehmen und einfach eine neue Sorte mit einzukreuzen und die entstehende Generation für viel Geld zu verkaufen. Zuerst einmal ist das gegenüber den gewissenhaften Züchtern absolut unfair, da diese vielleicht mehrere Jahre und eine Menge Arbeit in den Strain gesteckt zwitter 02 haben. Auch in dieser halb illegalen Branche gehört meines Erachtens auch ein gewisser Respekt dazu, den jeder Breeder den anderen gegenüber haben sollte.

Die wenigsten machen sich heute noch die Arbeit und selektieren hunderte von Pflanzen, um wirklich reine weibliche Pflanzen und reine Männchen auszusuchen, um mit ihnen dann weitere Arbeiten aufzunehmen. Das dabei der gesamte Genpool verkommt und ins Chaos gestürzt wird scheint keinen weiter zu interessieren. Ich dachte immer, daß alle Züchter die Verantwortung haben sollten gute Genetiken zu schaffen und den Genpool aufrecht zu erhalten. Aber anscheinend zählt heute mehr das Geld das man verdient, als die Weiterentwicklung von Hanf und dessen Zukunft. Wenn man z.B. hört, daß ein und derselbe Breeder nun schon seine dritte Samenbank gegründet hat, weil die ersten beiden pleite gegangen sind und sie sich einen gewissen Ruf wegen schlechtem Saatgut und schlechter Genetik einge­handelt haben ist das sicher der Fall. Oder wenn man hört das Sorten von anderen Züchtern einfach mal feminisiert und für viel Geld unter anderen Namen verkauft werden. Wenn man liest das 70% der Züchter gar nicht selber produzieren, sondern ihr Saatgut von Dritten produzieren lassen um es anschließend umzubenennen und weiterzuverkaufen. Wenn man erfährt, daß einige Breeder keine Ahnung vom Anbau, von den Pflanzen und von der Weitervererbung haben und wild mit allem kreuzen was der Markt hergibt, usw., dann fühle ich mich als Kunde hintergangen. Dann wundert mich nichts mehr, auch nicht, daß heute fast jede sogenannte femi­nisierte Sorte, eine unzumutbare Anzahl Hermaphroditen ausbildet. Mir drängt sich der

Eindruck auf, daß jeder der denkt etwas Ahnung zu haben nun selber eine Seedbank gründet und einfach mal ein wenig zusammen kreuzt, um auch ein Stück vom grossen Kuchen abzubekommen. Alles was sich gut anhört wird gen­ommen und zusammengebracht. Da gibt es keine Tests, keine Selektion und keine weiteren Testkreuzungen. Ist das eine seriöse Zucht? Versteht man darunter heute, die professionelle Pflanzenzucht?

Eine Pflanze zu bestäuben ist das einfachste auf der Welt, das kann jeder zu Hause in seinen eigenen vier Wänden machen. Zucht ist für mich aber die Selek­tion, das Auswerten von Pflanzen über mehrere Generationen und vor allem das Produzieren von stabilen Genetiken. Auch wenn es Rückschläge gibt und man oft einige Jahre investieren muss, um eine neue Sorte auf den Markt zu bringen.

Wenn manch ein Züchter behauptet, daß er mit dem Kreuzen von bereits femini­siertem Saatgut die Genetik erhalten und sichern wollte, muss man sich fragen ob sich dahinter überhaupt ein wirkliches Wissen verbirgt oder ob es hier nur um schnelles Geld und Zeitersparnis geht.

Wie soll man eine seltene Sorte sichern wenn es keine Vaterpflanze gibt, wenn es nur noch feminisiertes Saatgut gibt das schon in der ersten Selfing Generation Zwitter ausbildet? Oder wird sich der Begriff wie „feminisierte Inzuchtline" in den kommenden Jahren etablieren? Das ist keine Sorten Erhaltung mehr, das ist ein­fach ein leere Luftblase und zeugt von absoluter Unwissenheit. Warum selektiert man nicht mit regulären Samen? Warum erhält man Genetiken nicht indem man Inzucht betreibt und bei Bedarf die Genetik so wieder auffrischt? Warum wird heute alles mit feminisierten Samen gemacht?

Ich bin mir sicher die Ergebnisse bekommen wir in ein paar Jahren serviert. Heute besteht eine Sorte meist aus drei oder vier verschiedenen Elternteilen, man arbeitet mit der F2 oder weiteren Generationen und versucht so ursprüngliche Genetiken zu produzieren, da die originalen Elternteile schon lange nicht mehr vorhanden sind.

Ich will mir dieses Szenario gar nicht ausmalen, ich will nicht wissen was in den nächsten fünf, sechs Jahren mit den Cannabissorten und vor allen mit der Qualität im allgemeinen passiert. Schon jetzt ist eine Entwicklung zu schlechterer Qualität der Genetik deutlich erkennbar.

zwitter 03 Es wird in Zukunft noch mehr Zwitter geben, eine Skunk wird noch weniger Skunk sein als sie heute schon ist. Bekannte Sorten tragen zwar die gleichen Namen aber nicht die gleiche Grundgenetik und deren Eigenschaften von früher. Es wird von Multi-Hybriden nur so wimmeln, Landrassen gibt es nicht mehr und Inzucht Linien werden durch einkreuzen zu normalen F1-Hybriden. Seltene und noch reine Clone-Only Strains werden aussterben und nicht mehr erhältlich sein. Ist es das was man erreichen will? Wird man erst dann merken, daß man seit Jahren grobe Fehler im Umgang mit der Genetik gemacht hat und seit Jahren macht. Man sieht doch schon heute was passiert, wenn man die Resultate von früheren wild durcheinander gekreuzten Experimenten aufgetischt bekommt. Komischerweise sind nicht alle Samenbanken von einer extremen Zwitterrate betroffen. Auch wenn einige viel mehr Samen verkaufen und somit auch die Meldungen an Hermaphroditen höher ist, kann man auf jeden Fall gewisse Verhältnismässigkeiten beobachten. Ich will hier keine Firmen nennen, jeder kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Die Leidtragenden solcher Machenschaften sind die Grower die viel Geld für Sorten aus­geben und dabei schon lange nicht mehr die Genetiken bekommen, die in den Sor­teninfos beschrieben werden. Die User die sich für reine und seltene Genetiken inter­essieren und die sich für die Erhaltung des Genpools einsetzen, werden übergangen.

Es ist kurz vor zwölf. Und es ist die letzte Chance etwas zu bewegen und etwas zu ändern.

Doch wie kann man dem ganzen Verfall entgegen wirken, was könnte man machen und wie sieht eine ernstzunehmende Zuchtarbeit aus? Es geht hier auch nicht darum keine feminisierten Samen mehr zu produzieren, es geht viel mehr darum nicht weiter mit ihnen zu kreuzen und zu züchten. Es gilt wieder mehr mit Land­rassen und Inzuchtlinien zu arbeiten und von den ewigen Multihybrid Sorten weg zu kommen und sich wieder mehr Zeit zu lassen, um neue Sorten zu produzieren, auch wenn es 2-3 Jahre oder länger dauert.

Es gibt so viele Züchter die sich wirklich für den Hanf an sich interessieren und für die Geld Nebensache ist. Robert C.Clarke und HortaPharm, Subcool, TomHill, Esben von Zen Seeds, Gerrit von Magnus Genetics, Simon von Serious Seeds, u.v.a. zum Beispiel und vor allem die

vielen privaten Hobbybreeder und Züchter haben eine andere Einstellung bei der Arbeit mit Hanf und Cannabis. Es ist ein Glück, daß diese Leute die Genetiken sichern und weiter geben, darum verdienen sie mehr als einen Dank von uns allen. Es muss sich wirklich bald etwas ändern, sonst werden wir in ein paar Jahren nur noch schlechte Genetiken und Zwitter auf dem Markt haben. Die Einzigen die ein Umdenken bewirken können sind die Grower selber. Sie besitzen viel mehr Macht als sie sich vorstellen können. Denn sie sind der Markt und solange man schnelle Hybriden, feminisiertes Saatgut und immer die neuste Trendsorte haben will wird sich nichts ändern. Dabei haben Land­rassen oder IBL soviel mehr zu bieten als die Ewigen und immer schlechter werden­den Poly- oder Multihybriden. Vor allem dann, wenn man selber züchten will haben Landrassen grosse Vorteile und viel mehr Potenzial gegenüber den Hybridkreuzungen.

Darum bitte ich jeden, der diesen Artikel liest, sich Gedanken zu machen wie es mit dem Cannabisgenpool weitergehen soll. Jeder einzelne Grower kann etwas für den Erhalt des ganzen Genpools tun und jeder einzelne wird in Zukunft die Wahl haben, für welchen Strain er sich entscheiden wird cannabis growing tips

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