WIE DER SCHAMANE MIT CANNABIS ARBEITET | Hanfclub

WIE DER SCHAMANE MIT CANNABIS ARBEITET

Jul 17

Cannabis ist eine uralte Heil-, Ritual-, Rausch- und Zauberpflanze. Das wissen wir, auch wenn uns das beim Genuss der heutzutage erhältlichen Monsterhybriden nicht mehr ganz so präsent zu sein scheint. Ja, Cannabis ist eine Schamanenpflanze und ja, mit Cannabis ist er, der Schamane, in der Lage, Welten zu explorieren, die dem hedonistischen Feierabendkiffer allzumeist gänzlich verschlossen bleiben.

Schamanismus gibt es bzw. gab es in der ganzen Welt. Zwar denken die meisten beim Begriff Schamanismus an die indigenen Ethnien der neuen Welt, also schlicht an Amerika, vor allem den südlichen Teil des Doppelkontinents. Allerdings existiert oder existierte scha-manische Kultur auf allen Erdteilen, neben der uramerikanischen Kultur hat sich vor allem in Asien einiges von dieser natur- und geistesverbundenen Lesart bis heute erhalten. WIE DER SCHAMANE MIT CANNABIS ARBEITET 00 Auch Europa war zu vorchristlichen Zeiten vom Schamanismus durchdrungen, Reise- und Zauberpflanzen standen auch hier stets zur Verfügung, Nachtschattengewächse, Mohngewächse, Korbblütler sowie viele mehr – und eben der Hanf. Weil nach der Christianisierung Europas kaum ein bedeutsames Kulturgut des Schamanismus übrig geblieben war, existieren heute fast keine Dokumente oder Artefakte mehr, die Zeugnis über diese Ära der menschlichen Kultur able­gen. Grund genug, sich anzusehen, wie der Schamanismus in aller Welt sich des Hanfs annahm und annimmt.

Zunächst muss erläutert werden, dass Schamanismus nicht gleich Schamanismus ist. Es gibt keine festge­legte Konvention, die den Begriff oder gar die Praxis des Schamanismus definiert. Fakt ist jedoch auch, dass Schamanen in der ganzen Welt sich zwar unterscheiden, die aber trotzdem immer eine gemein­same Schnittmenge verbindet. An den Schamanismus knüpft sich keine Religion, kein Dogma, keine Erwartungshaltung. Ein Schamane ist Heiler, Seelsorger, Therapeut, Begleiter, Stammesweiser, Ratgeber, sozialer Schrittmacher und mehr – und all das ohne Anspruch auf Vollständigkeit, politische Korrektheit, Titel und Attribute. Das ist in Amerika der Fall ebenso wie in Asien und wie es im früheren Europa gewesen war. Ein Schamane verbindet sich, vereinfacht aus­gedrückt, mit dem Weltgeist (was immer das für den Einzelnen sein mag), mit dem Universum, mit den Wesenheiten aller Sphären und mit dem, was letztlich in fast allen Kulturen mit dem Schlagwort Gott belegt wird (was immer auch dies für den Einzelnen sein mag). Dabei stellt der Schamane Kontakt her, reist in die sogenannte „wahre Wirklichkeit“ der psyche­delischen Geistesebenen, um Probleme zu erkennen, nach Problemlösungen zu forschen und um schließlich mit der aus den Visionen gewonnen Erkenntnis Kranke zu heilen, Schmerzen zu lindern, verlorene Gegenstände zu finden und alle sonstigen Probleme zu lösen. Das ist – wie gesagt: stark vereinfacht – die Aufgabe des Schamanen. Um diese Verbindung zu knüpfen bemächtigt sich der Schamane verschiedener Techniken der Bewusstseinserweiterung. Das kön­nen monotone Rhythmen sein, yogische Übungen, Atemtechniken und psychoak­tive Substanzen. Häufig bemächtigt sich ein Schamane auch einer Verquickung jener Technologien der Alterierung seines Geisteszustands. Dabei ist es dem echten Schamanen letztlich egal, welches – wenn es um die Anwendung psychoaktiver Pflanzen, Pilze und Stoffe geht – Mittel zum Einsatz gelangen kann. Sprich: Ein Schamane kann sowohl mit Schnaps wie auch mit Tabak, mit DMT und Psilocybin und auch mit Cannabis diesen Kontakt herstellen und die Anderswelt bereisen. Weil uns im Rahmen dieses Artikels ins­besondere der Hanf interessiert, werfen wir einen durch Zitate untermauerten Blick auf die schamanische Verwendung der Cannabispflanze, wobei wir selbstver­ständlich ob der enormen literarischen Vielfalt ethnographischer Belege nur einen Ausriss zum besten geben kön­nen: Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch schreibt in WIE DER SCHAMANE MIT CANNABIS ARBEITET 01 seiner Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen zum schamani­schen Hanfgebrauch der Cannabis indica in Asien: „Von alters her ist der Hanf eine Schamanendroge. Die Entdeckung pharmakologisch wirksamer Pflanzen wird im allgemeinen den Schamanen zugeschrie­ben, so auch die Entdeckung des Hanfes und dessen vielfältiger Verwertbarkeit. Er wurde schon im Neolithikum in Zentral- und Ostasien benutzt. Von dort stammt auch unser Wort „Schamane“. In der tungusischen Sprache bezeichnet sha­man den heilenden prophezeienden Bewusstseinskünstler. Der früheste literari­sche bzw. ethnohistorische Beleg für Hanf findet sich in schamanistischen Texten aus dem alten China.“ Nicht anders ist es auf dem amerikanischen Kontinent. So gibt es in Mexiko „unter Indianern einen Kult, bei dem der Hanf la santa rosa, die heili­ge Rose, genannt und als heilige Pflanze verehrt wird. Die Kultmitglieder kauen bei ihren Treffen Hanfblüten aus und nutzen die psychoaktive Wirkung zum intuitiven Sprechen heiliger Worte, zur Divination und zum Ausdruck des Göttlichen.“ Von den Skythen, einem ostiranischen Reiter- und Nomadenvolk, ist überliefert, dass sie insbesondere Räucherungen von Hanf und Hanfsamen (in diesem Fall von der Spezies Cannabis ruderalis) benutzten, um zum Beispiel „in schamanistischer Trance die Seele eines Verstorbenen ins Jenseits zu geleiten.“ Diese Praxis wird jedoch von Ethnobotanikern als „Familienschamanismus ohne ausge­prägtes Spezialistentum charakteri­siert.“ Und zum Abschluss ein Blick auf die Verwendung von Cannabis sativa: „Wann und wo der rituelle Gebrauch von Cannabis sativa beginnen hat, ist nach dem jetzigen Stand des Wissens nicht zu bestimmen. Möglicherweise wurde er in Mitteleuropa bereits im Neolithikum schamanisch genutzt. Sicher ist, dass die Schamanen im alten China den Hanf kann­ten. Sie benutzten ihn zur Erzeugung eines schamanischen Bewusstseinszustandes, um wahrsagen und heilen zu können.“ Aber auch in unserer modernen Welt ist ein Teil des hanfigen Schamanismus nach wie vor lebendig. Auch das beschreibt Rätsch: „Im modernen Deutschland ver­breitet sich zunehmend ein ritualisierter Hanfgebrauch in Form sogenannter ‚Hanf-Heilkreise’, die auf traditionelle schama­nische Muster zurückgreifen. Wegen der rechtlichen Lage ist dieser Gebrauch bis­her nicht genauer beschrieben worden.“ Wir sehen also: Cannabis ist seit Urzeiten tief in der menschlichen Kultur verwurzelt – und wird das auch in Zukunft bleiben, egal, welche widersinnigen Gesetze unse­re Regierungen uns auch künftig aufzu­tischen gedenken. Als Kulturpflanze hat der Hanf im und außerhalb des echten Schamanismus immer seinen Platz gefun­den, sowohl als hedonistische wie auch als rituell zu verwendende Zauberpflanze. Und mit jedem Zug, der heutzutage von einem Joint, einer Pfeife oder einem Vaporizer genommen wird, lebt der alte Schamanenkult längst vergangener Zeiten in unseren Wohnzimmern und auf unseren Partys weiter. Daran kann auch ein politisches Gesetz nichts, aber auch gar nichts ändern. Peace.

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