THC und Cannabis - Wo liegt der Unterschied? | Hanfclub

THC und Cannabis - Wo liegt der Unterschied?

Jul 17

Viele Menschen, die Cannabis dem isolierten THC vorziehen, weisen darauf hin, dass Cannabis viele weitere Cannabinoide und andere Substanzen enthält, die ebenfalls zur Cannabiswirkung beitragen. Mit einem ähn­lichen Argument weisen viele Menschen, die THC der ganzen Cannabispflanze vorziehen, darauf hin, dass sich THC genau dosieren lasse, während die Zusammensetzung von Cannabis im Einzelfall unbekannt sei, da er mehr als 500 Einzelsubstanzen enthalte. Sind diese Annahmen korrekt? In welchem Maße unterscheidet sich die Can­nabiswirkung von der THC-Wirkung?

Die Zusammensetzung von Cannabis THC und Cannabis 00

In unterschiedlichen Cannabissorten wurden in den vergangenen 5o Jahren etwa 600 che­mische Verbindungen nachgewiesen, darun­ter neben den Cannabinoiden Substanzen anderer Stoffgruppen, wie Aminosäuren, Pro­teine, Zucker, Alkohole, Fettsäuren, Terpene (ätherische Öle) und Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) (siehe Tabelle).

THC und andere Canna binoide

Bis vor wenigen Jahren konnte man zur Zahl der bisher nachgewiesenen Cannabinoide in vielen Publikationen lesen, dass die Canna­bispflanze 66 Cannabinoide enthalte. Von Au­toren, die sich mit der Thematik etwas besser auskennen, wurde ergänzend darauf hinge­wiesen, dass diese Cannabinoide nicht in ei­ner einzelnen Pflanze vorkommen, sondern weltweit in unterschiedlichen Pflanzen ent­deckt wurden. Einige Autoren merkten zudem an, dass einige dieser Cannabinoide vermut­lich nicht natürlich vorkommen, sondern erst künstlich bei dem Versuch, die Cannabinoide nachzuweisen, entstehen. Dies gilt beispiels­weise für Delta-8-THC, das vermutlich ein Ar­tefakt ist und beim Analyseprozess aus dem instabileren Delta-9-THC entsteht.

Heute sind insbesondere durch eine Arbeits­gruppe von Wissenschaftlern an der Univer­sität von Mississippi insgesamt mehr als 100 Cannabinoide nachgewiesen, von denen viele Artefakte darstellen oder nur in Spuren in der Pflanze hergestellt werden. Cannabinoide las­sen sich überwiegend bestimmten Typen zu­ordnen, wie der Delta-9-THC-Typ, der CBD­Typ, der CBG-Typ, etc.

Tetrahydrocannabinol (THC)

Wenn von THC die Rede ist, ist im Allgemeinen das in der Pflanze natürlich vorkommende Delta-9-THC gemeint. Insgesamt 9 Cannabi­noide zählen zum Delta-9-THC-Typ, von de­nen in der Pflanze vor allem zwei Delta-9-THC-Säuren vorkommen, die unter der Einwirkung von Hitze in das phenolische Delta-9-THC um­gewandelt werden. Dieses phenolische THC verursacht die bekannten psychischen Wir­kungen von Cannabis und ist auch für die mei­sten anderen pharmakologischen Wirkungen verantwortlich. THC bindet an die beiden be­kannten Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. Der CB1-Rezeptor kommt vor allem im zentralen Nervensystem vor. Wird er durch THC aktiviert, so verursacht dies Schmerzlin­derung, Muskelentspannung, Appetitsteige­rung, Bronchienerweiterung, Steigerung der Herzfrequenz und einige weitere Wirkungen. Der CB2-Rezeptor findet sich vor allem auf Immunzellen, also Zellen, die im Körper für die Abwehr von Krankheitserregern und andere Immunprozesse zuständig sind. Die Akti­vierung des CB2-Rezeptors durch THC hemmt Entzündungen und allergische Reaktionen.

Cannabidiol (CBD)

Cannabidiol ist das häufigste Cannabino­id im Faserhanf und in Drogenhanfsorten oft das zweithäufigste Cannabinoid nach THC. CBD verursacht keine cannabistypischen psy­chischen Wirkungen. Seine Wirkungsmecha­nismen sind wesentlich komplexer als die von THC. Es hemmt Wirkungen von THC am CB1-Rezeptor und verringert so bekannte THC-Wirkungen, wie beispielsweise psychische Effekte, Steigerung der Herzfrequenz und Zu­nahme des Appetits. Der Hersteller von Sa­tivex, ein Cannabisextrakt, der gleiche Anteile THC und CBD enthält, geht davon aus, dass CBD die Verträglichkeit von THC verbessert und gleichzeitig einige gewünschte therapeu­tische THC-Wirkungen verstärkt.

In kleinen klinischen Studien wirkte CBD angstlösend und antipsychotisch. Dabei wur­den Tagesdosen von 300 bis 150o mg verwen­det. So behandelten Ärzte 42 Patienten mit akuter Schizophrenie 4 Wochen lang entwe­der mit dem antipsychotischen Medikament Amisulprid oder mit täglich 80o mg oralem CBD. Das Cannabinoid reduzierte verglichen mit dem Ausgangszustand signifikant die psychopathologischen Symptome der akuten Psychose. Es gab keinen statistisch signifi­kanten Unterschied beim Behandlungserfolg zwischen der Amisulprid- und der CBD-Grup­pe. Cannabidiol verursachte allerdings signi­fikant weniger Nebenwirkungen als Amisul­prid.

CBD bindet auch an andere Rezeptoren (Vanil­loidrezeptor, GPR55-Rezeptor, 5-Hydroxytryp­tamin-Rezeptor) und hemmt den Abbau des Endocannabinoids Anandamid. Die meisten CBD-Wirkungen wurden bisher nur im Tierver­such nachgewiesen. So linderte es Schmer­zen aufgrund einer Nervenverletzung oder bei Entzündungen bei Ratten. Es wirkt Nerven schützend, indem es wirksamer als Vitamin C freie Radikale fängt. Es wirkt antiepileptisch, hemmt Übelkeit, tötet Krebszellen bei Brust­krebs und einigen anderen Krebsarten, wirkt entzündungshemmend, hemmt die Anhäu­fung von Prionproteinen in Prion-infizierten Zellen und könnte so dem Rinderwahnsinn (BSE) vorbeugen und wirkt antibakteriell ge­gen bestimmte gefährliche Keime (MRSA) mit hoher Antibiotikaresistenz.

Cannabichromen (CBC)

Im Tierversuch wurden entzündungshem­mende und schmerzlindernde Wirkungen nachgewiesen. Ähnlich wie CBD hemmte CBC bei Mäusen die durch THC verursachten psy­chischen Effekte. Ein CBC-Extrakt wirkte in einem Mausmodell für Depressionen stark antidepressiv. Es hemmt die Aufnahme von Anandamid in die Zellen, sodass dieses Endo­cannabinoid länger wirken kann. Darüber hi­naus wirkte CBC antibiotisch gegen Pilzinfek­tionen und zerstörte Krebszellen.

Cannabigerol (CBG)

THC und Cannabis 01 CBG bindet sehr schwach an CBI- und CB2-Re­zeptoren. Auch für dieses Pflanzencannabino­id wurden schmerzlindernde, antidepressive und krebshemmende Eigenschaften beschrie­ben. Es wirkt leicht blutdrucksenkend. Ähnlich wie CBC hemmt es die Aufnahme von Anandamid in die Zellen. Cannabigerol ist ein starker Blocker des so genannten TRPM8-Rezeptors. Dieser Rezeptor spielt eine Rolle bei Blasen­schmerzen, Oberaktivität der Harnblase und Prostatakrebs, sodass CBG möglicherwei­se bei diesen Erkrankungen von Nutzen sein könnte. Wie CBD, so ist auch CBG wirksam ge­gen MRSA-Bakterien.

Tetrahydrocannabivarin (THCV)

THCV ist ein Cannabinoid vom Delta-9-THC-Typ. Es kommt in einigen südafrikanischen Cannabissorten vor. In höheren Dosen verur­sacht THCV ähnliche Wirkungen wie THC am CB1-Rezeptor, mit den bekannten cannabisty­pischen psychischen Effekten. THCV wirkt al­lerdings deutlich schwächer, mit einer Wirk­stärke von etwa 25 Prozent im Vergleich zum THC. In niedrigeren Dosen wird der CB1-Re­zeptor durch THCV nicht stimuliert, sondern blockiert. Daher wird überlegt, ob dieses Can­nabinoid zur Reduzierung von Appetit und Gewicht bei Fettleibigkeit eingesetzt werden kann. Im Tierversuch mit fettleibigen Mäu­sen verursachte THCV einen Verlust von Ge­wicht und Fett und vergrößerte den Energie­verbrauch.

Terpene

Terpene (ätherische Öle) bilden mit etwa 15.000 Vertretern die größte Gruppe von che­mischen Substanzen in Pflanzen. Terpene und nicht Cannabinoide sind für den Geruch von Cannabis verantwortlich. Über zoo wur­den in der Cannabispflanze nachgewiesen. Weit verbreitete Terpene der Cannabispflanze sind Limonen, Myrcen, Pinen, Eucalyptol, Al­pha-Terpineol und Caryophyllen. Diese kom­men auch in anderen Pflanzen vor. In einem Gramm Cannabis finden sich meistens we­niger als 10 mg ätherische Öle. Da sie sich leicht verflüchtigen, nimmt ihre Konzentrati­on während des Trocknens und der Lagerung ab. Die Terpen-Zusammensetzung unterliegt einer genetischen Kontrolle, so dass Canna­bissorten unabhängig von den Aufwuchsbe­dingungen immer weitgehend gleich riechen. Die Terpen-Produktion nimmt mit der Verfüg­barkeit von Licht zu und mit der Bodenquali­tät ab. Es werden höhere Erträge erzielt, wenn die Pflanzen kurz vor der Ernte einen relativen Stickstoffmangel erleben, da dies zu einer Zu­nahme des Blütenwachstums zu Ungunsten des Blattwachstums führt.

Terpene sind pharmakologisch aktiv. Sie wir­ken auf Zellmembranen (Zellwände), Zonen­kanäle von Nerven und Muskeln und verschie­dene Rezeptoren (Bindungsstellen auf der Oberfläche von Zellen). Sie gelten als gesund­heitlich sicher, können allerdings in einigen Fällen Allergien auslösen.

Limonen: Limonen ist das zweithäufigste Ter­pen in der Natur und findet sich beispielswei­se in Zitrusfrüchten. Es ist eine angstlösende Substanz, was auch in einer klinischen Studie untersucht wurde. So wurden depressive Pa­tienten dem Duft von Zitrusfrüchten ausge­setzt, was zu einer Verbesserung der Werte auf einer Skala für Depressionen führte. Dies erlaubte, antidepressive Medikamente bei 9 der 12 Teilnehmer abzusetzen. Es wurde auch ein Patent eingereicht, nach dem Limonen bei saurem

Aufstoßen (Reflux von Nahrungsbe­standteilen aus dem Magen) wirksam ist. Es wurden eine Anzahl weiterer Wirkungen be­schrieben, darunter eine Wirksamkeit gegen bestimmte Pilzinfektionen.

Myrcen: Dieses ätherische Öl hemmt Entzün­dungen, schützt vor den Leber schädigenden Aflatoxinen (Giften von Schimmelpilzen), re­duziert Schmerzen im Tierversuch, wirkt se­dierend und Schlaf fördernd und entspannt die Muskulatur. Es ist denkbar, dass die stark sedierende Wirkung einiger Cannabissorten beispielsweise auch durch Myrcen bewirkt wird.

Pinen: Pinen ist das am weitesten verbreite­te Terpen. Es kommt in Nadelhölzern (Fichte, Tanne etc.) und vielen anderen Pflanzen vor. Es wirkt entzündungshemmend, erweitert die Bronchien und weist antibiotische Eigen­schaften auf.

Linalool: Linalool ist ein prominentes äthe­risches 01 im Lavendel. Es besitzt angstlö­sende und entspannende Eigenschaften. In Tierexperimenten linderte es Schmerzen und wirkte antiepileptisch.

Beta-Caryophyllen: Es ist oft das dominieren­de Terpen in Cannabis, insbesondere wenn die Pflanze Hitze ausgesetzt war, weil sich Beta-Caryophyllen nicht so schnell verflüchti­gt wie viele andere Terpene. Beta-Caryophyl­len kommt im schwarzen Pfeffer, Rosmarinöl und Hopfen vor. Es wirkt entzündungshem­mend. Interessanterweise bindet dieses äthe­rische Öl an CB2-Rezeptoren.

Schlussfolgerung

Cannabis enthält neben THC eine Vielzahl weiterer Inhaltsstoffe. Die meisten sind phar­makologisch nicht von Bedeutung, darunter Aminosäuren, Zucker, einfache Säuren und einfache Wasserstoffverbindungen (Hydrocar-bone), oder sie kommen in nur sehr geringen Mengen vor. Pharmakologische Wirkungen können grundsätzlich von anderen Cannabi­noiden und Terpenen (ätherische Öle) her­rühren. Das setzt allerdings voraus, dass die einzelnen Cannabinoide und Terpene in einer ausreichend hohen Konzentration vorhanden sind. Viele hochpotente Cannabissorten ent­halten über 10 Prozent THC und nur weniger als insgesamt 1 oder 2 Prozent andere Can­nabinoide. Bei dieser Konstellation ist kaum zu erwarten, dass andere Cannabinoide die THC-Wirkung relevant beeinflussen. Anders verhält es sich, wenn beispielsweise auch ein vergleichsweise hoher CBD-Gehalt vorliegt. Es wurden Pflanzen für die medizinische For­schung gezüchtet, die vornehmlich nicht THC, sondern andere Cannabinoide (Cannabidiol, Cannabigerol oder Cannabichromen) enthal­ten. Diese sind allerdings bisher nicht allge­mein verfügbar.

Terpene können durchaus in vergleichswei­se kleinen Konzentrationen medizinische Wirkungen verursachen und da THC und Cannabis 01 mit die Ge­samtwirkung von Cannabis beeinflussen, wie beispielsweise sedierende bzw. entspannende Effekte. Die Terpen-Konzentration nimmt durch eine lange Lagerungsdauer und Hitzeeinwir­kung deutlich stärker ab als die Konzentrati­on von THC und anderen Cannabinoiden.

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