The American Experience - Jorge Cervantes | Hanfclub

The American Experience - Jorge Cervantes

Jul 17

Im September 2011 brach ich zusammen mit meinem Freund, Kameramann und Cutter Paul nach Kalifornien auf. Unser 18-tägiger Trip be­gann in San Francisco (in der Folge SF). Diese Stadt hat mich angenehm überrascht. Natür­lich sind die Hochhäuser im Financial District hochmodern und imposant, der Rest der Stadt hat jedoch auf mich den Eindruck gemacht, als ob er eigens für eine Hollywoodproduktion ge­schaffen wurde. Der übrige Teil von SF sieht nämlich noch immer so aus, wie ich SF als Kind in der Serie „Die Straßen von SF" kennenge­lernt habe. Zahlreiche schnurgerade Straßen mit enormem Gefälle verlaufen achterbahn­ähnlich auf und ab. Von ihren höher gelegenen Punkten aus hat man herrliche Ausblicke auf die Bucht oder den Pazifik, es sei denn, der berüchtigte Nebel liegt über der Stadt. Dieses Phänomen ist nicht etwa eine Wintererschei­nung, sondern eher im Sommer anzutreffen. Die Temperaturen werden davon stark beein­flusst. Sie steigen selbst im Hochsommer sel­ten über 20°C. Wir hatten Glück, denn während unseres Aufenthaltes blieb der Nebel auf der Linie Golden Gate Bridge/Twin Peaks hängen. Im Stadtzentrum schien dann die Sonne, wäh­rend die westlichen Vororte unter Feuchtigkeit und Kälte litten. Jetzt ist mir auch bewusst, was Edgar Allen Poe mit seinem Satz „The coldest winter I ever spent was a summer in San Fran­cisco" ausdrücken wollte.

The American Experience 00 Nach 2 aufregenden Tagen in SF ging es wei­ter Richtung Mendocino County. Ein Farmer in einem kleinen Dorf hatte uns eingeladen, seine Outdoorplantagen zu besichtigen. Wir fuhren den berühmten Highway 101 nordwärts. Nach einer mehrstündigen Autofahrt erreichten wird das kleine Dorf, welches in einem von Bergen umgebenen Tal liegt. Die Landschaft in diesem Gebiet ist sehr beeindruckend. Überall sieht man verbrannte Wiesen, welche wie Heu aus­sehen. Da dieses verbrannte Gras Kalifornien in eine goldene Landschaft verwandelt, wird dieser Bundesstaat auch „The Golden State" genannt. Seitens des Farmers und seiner Fa­milie wurde uns eine Gastfreundschaft entge­gengebracht, welche ich in dieser Form noch nie in meinem Leben erfahren durfte. Am Mor­gen des Tages unserer Ankunft hatte der Far­mer eines seiner Schweine getötet, damit er uns abends mit einem fürstlichen Mahl überra­schen konnte. Es wurden nur Speisen serviert, die aus selbst gemachten Produkten zuberei­tet wurden. Ich liebte die Ziegenmilch, von der ich gleich mehrere Gläser pro Tag trank, was zur allgemeinen Belustigung beitrug.

Noch vor dem Essen wurde uns der hintere Bereich der Farm gezeigt. Der Farmer hatte die Erlaubnis, 99 Pflanzen zu medizinischen Zwecken anzubauen. Direkt auf der Farm be­fanden sich 25 Pflanzen, welche alle in 400­Gallonen-Smartpots wuchsen. Wir sahen 3 bis 4 Meter hohe buschige Bäume. Den süß­lichen Duft konnte man bis in den vorderen Bereich der Farm riechen. Die Pflanzen waren teils aus Stecklingen, teils aus Samen gezo­gen worden. Sie wurden Indoor vorgezogen und kamen im Monat Mai, als sie eine Grö­ße von ungefähr im erreicht hatten, in die mit hochwertiger Erde gefüllten Smartpots. Auf­grund des enormen Fassungsvermögens der Behältnisse erfolgte das Füllen mit Hilfe von Baggern.

Am nächsten Tag wurden uns weitere Planta­gen auf den Bergen gezeigt, auf welchen der Farmer weiteres Eigentum besaß. Den Berg konnte man mit einem Jeep erreichen, indem man auf einer Privatstraße den Berg hinauf­fuhr. Insgesamt gab es 4 Gärten mit jeweils 25 Pflanzen. Für die einzelnen Plantagen wurden die sonnigsten Spots auf den Bergen ausge­sucht. Eine Plantage wurde im Namen eines anderen Patienten, welcher gleichfalls Inha­ber einer entsprechenden Bewilligung war, betrieben. Die Pflanzen befanden sich wie-

der alle in Smartpots. Bezüglich der Versor­gung der Pflanzen mit Wasser möchte ich Fol­gendes erklären: die Regenzeit beginnt Ende Oktober/Anfang November. Während dieses Zeitraumes fällt so viel Regen, dass sich die im Tal befindlichen Wasserarme bis Ende März in reißende Flüsse verwandeln. Noch im Monat Juli kann man darin richtig schwimmen gehen. Des Farmers Aufgabe im Sommer ist es nun, das in den Tälern gesammelte Wasser zur Bewässerung auf die Berge zu transportie­ren. Dafür werden Lastwagen eingesetzt, die das Wasser auf die Berge schaffen, um es in großen Containern zu speichern. Der Dünger, dessen beigemengte Menge von einem Com­puter bestimmt wird, wird über Rohre zu den Containern gebracht. Sobald der Dünger in der Erde von den Pflanzen verbraucht wurde, wurde 2 X mit Dünger, 1 x mit reinem Wasser gegossen.

Nach 2 aufregenden Tagen ging es weiter nach Portland. In diesem Zusammenhang ein kleiner Tipp: Wer auf dem Highway 101 durch

Nordkalifornien fährt, sollte unbedingt im Peg House einkehren. Da gibt es die besten Bur­ger oder andere frische Speisen direkt vom Grill. Wir aßen dort die besten Burger wäh­rend unseres USA-Aufenthaltes, sodass wir die anstrengende Autofahrt gestärkt angehen konnten. Wenn man durch Nordkalifornien fährt, macht man zwangsweise Bekanntschaft mit den Redwood-Wäldern. Diese Bäume sind mehrere tausend Jahre alt und einfach nur ge­waltig. Wir wollten unbedingt die Atmosphä­re dieser Wälder genießen, weswegen wir für eine Weile den Highway verließen und die „Avenue of the Giants", entlang der sich die gewaltigsten Bäume befanden, nahmen. Di­ese Autofahrt war ein unvergessliches Erleb­nis, da man auf einmal das karge Land mit den verbrannten Wiesen verlässt und eine andere Klimazone betritt. Trotz strahlendem Sonnen­schein wurde es sehr düster und die Tempe­ratur fiel um 7° C. Man bekam den Eindruck, als ob man in einen Dschungel mit dichtem Gras und traumhaften Farnen gebeamt wur­de. Da wurde mir bewusst, warum Regisseure wie Georg Lucas und Peter Jackson Teile ihrer Blockbuster in diesem Wald filmten.

The American Experience 03 Nach einer Nächtigung in Blue Lake in einem von Indianern betriebenen Casinohotel ging es weiter nach Portland. Die Reise durch Ore­gon war sowohl anstrengend als auch beein­druckend. Beeindruckend war die Landschaft von Oregon. Speziell die Fahrt von Coos Bay nach Cannon Beach war wunderschön. Man konnte traumhafte Buchten sowie Wälder, die direkt bis zur Küste wachsen, betrachten. Der triste Teil bestand in der langen Autofahrt. Die Entfernung Eureka-Portland beträgt rund 650 km. Wir fuhren am Freitag von Eureka los, machten eine Nacht Pause in Coos Bay und kamen am Samstag um 16.00 Uhr in Portland an. Dort blieben wir 2 Nächte, um am Montag den ganzen Weg auf einmal zurückzufahren. Somit fuhr ich 1300 km in 4 Tagen, und das Ganze noch dazu in einem fremden Land. Ich kann euch sagen, dass der Schlaf nach der Wiederankunft in Eureka einer der besten seit langem war. Vielleicht sollte ich euch noch er­klären, warum ich meinen Freund Paul nicht ans Lenkrad ließ. Dieser hatte schon 3 schwe­re Unfälle. Jedes Mal wurde er aus seinem Auto geschleudert, da er nicht angeschnallt war. Die Autos überschlugen sich mehrmals und waren komplett zerstört, er jedoch fand sich bei jedem Unfall in der Wiese unverletzt wieder. Seitdem vertritt er die These, dass un-angeschnalltes Autofahren sicherer wäre. In Oregon habe ich ihm dann die Verkehrszei­chen gezeigt, welche am Highway die Höhe der Verkehrsstrafen verdeutlichen. Für unan-geschnalltes Fahren wurden 35o Dollar ver­langt. Dieser Betrag erhöht sich auf 700 Dol­lar, wenn man dabei im Baustellenbereich erwischt wird. Bei Paul wirkten diese Zeichen Wunder: Er nahm sofort den Gurt in die Hand und saß angeschnallt neben mir. Jetzt weiß ich endlich, wie das amerikanische Rechtssy­stem funktioniert.

Nach unserer Ankunft in Portland suchten wir das erste Hanfevent auf. Diese Veranstal­tung hieß „Hydroponics". Die Messe fand in einem großen Messezentrum statt. Für diesen Event war jedoch nur eine kleine Halle reser­viert. Man kann sagen, dass es sich bei dieser Veranstaltung um einen riesigen Reinfall han­delte, da es keine Besucher gab. Die Leute, welche in der Halle herumgingen, waren fast durchweg nur Aussteller. Meines Erachtens resultiert dies aus der geltenden Rechtslage. Es konnte dem Zielpublikum nicht vermittelt werden, dass es sich bei der „Hydroponics" um eine Ausstellung handelt, an der haupt­sächlich auf Hanfanbau spezialisierte Be­triebe teilnahmen, da offiziell kein Aussteller mit dem Cannabusiness in Verbindung ge­bracht werden wollte.

Dass man eine Hanfveranstaltung auch an­ders über die Bühne bringen kann, zeigte uns dann das Hempstalk-Festival am nächsten Tag, welches eher als Hippie-Party denn als Tradeshow zu bezeichnen ist. Da ging es wirk­lich nur um Hanf und wie ich gesehen habe, hat es die Behörden auch nicht sonderlich ge­stört. Mut und Ehrlichkeit werden halt doch noch belohnt, wenn man die Besucherzahlen dieser Veranstaltungen vergleicht. Veranstal­ter des Hempstalk-Festivals ist Paul Stan­ford. Er betreibt mehrere Cannabiskliniken in den USA, in welchen Ärzte Patienten beim Erlangen einer Bewilligung zur legalen me­dizinischen Cannabiszucht unterstützen. Des Weiteren organisiert er eine Petition zur gene­rellen Legalisierung von Cannabis in Oregon. Es sollen dadurch neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für die Bundesstaaten ge­schaffen werden. Zusätzlich soll dadurch die organisierte Kriminalität aus dem Hanfbusi­ness vertrieben werden. Die Petition benötigt 87.000 Unterstützer, damit darüber im Parla­ment abgestimmt werden muss. Derzeit ha­ben sie bereits 37.00o Unterstützer. Paul will insgesamt die Zahl von 130.000 Unterstutzern erreichen. Zeit

hat er noch bis Juli nächsten Jahres. So, nun aber zurück zum Hempstalk-Festival, welches in einem riesigen Freizeit­gebiet an der Mündung zweier Flüsse statt­findet. Eintritt gab es keinen zu bezahlen. Das Festival existiert seit 2004, wuchs über die Jahre kontinuierlich und dauert 3 Tage von Freitag bis Sonntag. Dieses Jahre wurden zwi­schen 50.00o und 70.00o Zuschauer erwartet. Es gibt Live-Music, Workshops, in welchen Anwälte und Ärzte cannabisbezogene Aus­künfte erteilen sowie dutzende Stände, wo man Bongs, Rauchzubehör, Gewand, Essen, Trinken und Gartenprodukte kaufen kann. Die Bühne des Events wurde nach Jack Herer be­nannt, welcher 2009 seine letzte Rede auf der Hempstalk hielt. 5 Minuten nach dem Ende seiner Rede hatte er einen schweren Herzin­farkt. Auch Ed Rosenthal war oft gesehener Gast während der letzten 7 Jahre. Im Großen und Ganzen war dieses Festival ein sehr ge­lungenes Event mit einem einzigartigen Hip­pie-Touch.

The American Experience 01 Am Montag begann die Reise zurück Rich­tung San Francisco. Wir beschlossen, noch­mals das einzigartige Dorf in den Bergen von Mendocino County aufzusuchen, um 2 weitere Hanffarmen zu besuchen. Dieser Platz hatte eine magische Wirkung auf uns. Obwohl wir nur 6 Tage von diesem Ort weg waren, beka­men wir schon „Heimweh". Das Feeling, durch eine Ortschaft zu spazieren, in welcher man über den oberen Zaunenden nur die Tops von den Hanfpflanzen emporschießen sieht, ist einfach unbeschreiblich. Ich konnte davon lei­der keine Fotos schießen, weil es gefährlich war, auf offener Straße die Häuser zu fotogra­fieren. Die Einwohner dort wollen alles, nur keine sensationsgeilen Touristen, die Fotos von ihren Gärten schießen. Erwähnen sollte ich auch noch die einzigartigen klimatischen Verhältnisse in diesem Gebiet. Auf dem Rückweg hatten wir durchwegs bedecktes Wetter, auch in Humboldt County. Erst nach der Ab­zweigung Richtung Berge klarte es auf und die Temperaturen stiegen auf über 30°C. Auf­grund des warmen Windes hat es auch eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit, was für blü­hende Pflanzen niemals einen Nachteil dar­stellt. Man kann ohne weiteres mit seiner Hose in den kleinen Bächen schwimmen ge­hen, da sie innerhalb von paar Minuten wie­der auftrocknet.

Nach unserer Ankunft konnten wir sofort die erste Plantage besichtigen, welche von Me­xikanern betrieben wurde, natürlich nur mit entsprechender Bewilligung. Diese Leute wa­ren klasse Burschen. Ich habe sie des öfteren beim Arbeiten beobachtet, was große Freu­de ausgelöst hat, da sie sehr motiviert und arbeitseifrig waren. Dementsprechend clean hat auch ihre Plantage ausgesehen. Man sah zahlreiche beeindruckende Outdoorpflanzen samt einem kleinen Glashaus. Des Weiteren gab es auch einen kleinen Indoorraum, in wel­chem die besten und beliebtesten Genetiken im Wachsstumstadium gesichert wurden. Da­nach fuhren wir zu der zweiten Farm, auf wel­cher wir auch übernachten sollten. Hier gab es keine reine Outdoorplantage zu besichti­gen, da sich die Pflanzen in einem Glashaus befanden. Diese Plantage hat gezeigt, wie es nicht funktionieren soll. Sie wurde von zwei 25-jährigen Burschen geführt, die sicherlich viele Begabungen besitzen, der Anbau von Cannabis zählt jedoch nicht dazu. Einer der Burschen war ein hervorragender Musiker. Am Abend saßen wir zusammen und wir durf­ten ihm beim Gitarrespielen zuhören, was uns alle schwer begeisterte. Der Andere war ein kompletter Freak. Tag und Nacht saß er vor dem Fernseher und spielte Playstation. Darü­ber hinaus war er die ganze Zeit schlecht ge­launt und leider kein Arbeitstier. Dementspre­chend hat auch die Plantage ausgesehen. Es wimmelte nur so vor Spinnmilben und Thrip­sen. Dieser Befall wurde sicherlich durch das Glashaus begünstigt, da die Pflanzen wäh­rend des Tages sehr hohen Temperaturen ausgesetzt waren. Mit einer vorbeugenden Behandlung dieser Pflanzen während des Ve­getationsstadiums mit Akariziden wäre dieser massive Befall jedoch zu vermeiden gewesen. Summa summarum hat dieser Befall ungefähr 5o % des Ertrages gekostet.

Die Besichtigung dieser Plantage war trotz­dem ein Highlight, da ich die Möglichkeit hatte, zwei wunderschöne Trimmerinnen aus Deutschland kennenzulernen. Eine von ih­nen lebt mittlerweile in Kalifornien und arbei­tet mehrere Tage im Monat auf den Farmen. Die Blüten werden von Hand getrimmt, da es mittlerweile ein großes Angebot an medizinischem Cannabis in den Vereinigten Staa­ten gibt, weshalb höhere Qualität von Nach­frageseite verlangt wird. Die Patienten wollen kein mit Maschinen getrimmtes Cannabis bzw. für dieses einen geringeren Preis bezah­len. Ergo wird händisch getrimmt. Der Arbeit schaut so aus, dass getrocknetes, aber unge­trimmtes Cannabis ihnen übergeben wird.

Die Schnittreste werden in Papiertüten gesam­melt und zu Dope weiterverarbeitet. Die fer­tig getrimmten Blüten werden in Plastiktüten gesammelt. Die Trimmerinnen werden nicht nach Stunden, sondern leistungsbezogen bezahlt. Für 2,5 Pfund (ungefähr 1,25 kg) be­kommt man 45o Dollar. Diese Menge bewäl­tigte eine Trimmerin an einem Tag. Jetzt wer­den viele aufschreien und sagen, cool, dort will ich auch arbeiten. Es ist jedoch eine Il­lusion zu glauben, dass man ein paar Tage dorthin fährt und 2,5 Pfund/Tag trimmt. Diese Menge schafft man nur dann innerhalb eines Arbeitstages, wenn man darin schon geübt ist. Und einen 12-stündigen Arbeitstag sollte man schon dafür einplanen. Ich persönlich würde es nicht schaffen, jeden Tag 12 Stun­den Hanfblüten zu schneiden, da ich aufgrund dieser monotonen Tätigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit innerhalb von 3 Tagen eine gewaltige Depression aufreißen würde. Darüber hinaus sind auch die Wohn­bedingungen nicht die Besten. Entweder man schläft in einem Zelt oder in einem Wohnwa­gen. Ich übernachtete in einem Zelt, dessen Grundlage ein 1000-Gallonen-Smartpot war. Zu den sanitären Bedingungen kann ich nur sagen, dass ich dem Restroom der Farm ein tägliches Bad im Fluss vorgezogen habe, was natürlich auch seinen Reiz gehabt hat. Meines Erachtens machen diese Verhältnisse auf ei­ner bloß zweiwöchigen Reise Spaß. Arbeitet man jedoch über mehrere Monate auf so ei­ner Farm, können diese Umstände schon zur Belastung werden. The American Experience 02 Abschließend möchte ich noch Bezug auf den Ertrag nehmen, welchen diese Plantagen abwerfen. Seine 99 Pflanzen haben einen durchschnittlichen Ertrag von 5 kg. Das ergibt eine gewaltige Menge, nur darf man dabei nicht vergessen, dass bei einem derartigen Unternehmen gewaltige Fixkosten anfallen, für welche man ungefähr 5o % des Ertrages kalkulieren sollte. Bei einem Ver­kaufspreis von 4.000 Dollar dürfte sich dieses Unternehmen trotzdem für alle lohnen.

Die Zeit verging sehr rasch und schließlich verblieben nur noch 4 Tage bis zu unserem Rückflug. Es war Zeit, dieses wunderschöne Gebiet zu verlassen, denn wir wollten noch ein Tomaten-Festival in San Rose besuchen. Nach einer tränenreichen Verabschiedung ka­men wir nach einer mehrstündigen Autofahrt in San Rose an. Gleich am Morgen des näch­sten Tages besuchten wir diese Veranstal­tung. Bei deren Besuch wurde mir bewusst, dass es in Kalifornien derzeit einen Homegro­wing-Boom gibt. Diese Veranstaltung wurde von 20.000 Menschen besucht, welche ausge­fallenes Saatgut jeder Art von Pflanze ergat­tern wollten. Für mich war es interessant zu erfahren, dass die Amish-Community in den Vereinigten Staaten seltenes Saatgut diverser Pflanzen besitzt, welches jetzt kommerziell vermarktet wird. Für die Amish-People hat sich somit ihre konservative Grundeinstellung gelohnt, weil sie dadurch eine gute Einkom­mensquelle besitzen.

Noch am selben Nachmittag verließen wir San Rose, um die letzten beiden Tage unseres USA-Aufenthaltes in San Francisco zu verbrin­gen. Wir wollten nochmals den Flair dieser einzigartigen Stadt genießen. Retrospektiv betrachtet war diese Reise eine meiner beein­druckendsten Erlebnisse der letzten Jahre.

Next Post Previous Post